Zukunftsvorhersage aus Twitter-Statistik

DPG-Frühjahrstagung: Das Web 2.0 hat nicht nur eine Vielzahl neuer Kommunikationskanäle geschaffen. Es liefert auch Einsichten in gesellschaftliche Prozesse.

Twitter
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Dresden - Forscher um den Physiker Bernardo Huberman, Gruppenleiter bei den HP Labs, haben auf Basis von Daten aus Social Media nun Entwicklungen in der realen Welt vorhersagen können. Mit großer Genauigkeit gelang es den Wissenschaftlern, den Kassenerfolg von Kinofilmen zu prognostizieren - indem sie gezielt das Gezwitscher auswerteten, das Millionen Nutzer über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreiten.

Seine Ergebnisse stellte Huberman bei der DPG-Frühjahrstagung in Dresden vor. Für insgesamt 24 Kinofilme analysierten die Forscher die Resonanz auf Twitter. Zunächst erhoben sie vor Kinostart die bekannten Daten: wie sich die Zahl der Tweets zu dem jeweiligen Film entwickelt und in wie vielen Kinos er startet. Daraus versuchten sie das Einspielergebnis des ersten Wochenendes zu berechen. Mit Erfolg: Ihre Vorhersagen waren besser als der bisherige Goldstandard der Branche, die Hollywood Stock Exchange (HSX). Diese virtuelle Börse setzt ebenfalls auf die Weisheit vieler. Kinofans können dort vorab in Filme investieren, an deren Erfolg sie glauben. Dass sich auf diese Weise gute Vorhersagen erzielen lassen, ist schon länger bekannt.

In einem weiteren Schritt ließen Huberman und seine Mitarbeiter die Computer nicht nur die Twitter-Botschaften zählen - ein zuvor mit Probenachrichten trainierter Algorithmus wertete für jeden Tweet aus, ob er positiv, neutral oder negativ klang. Diese Gefühlsanalyse war nützlich, sobald der Film lief: Sie verbesserte die Genauigkeit weiter, wenn es darum ging, aus den Twitter-Botschaften kurz nach Kinostart den weiteren Erfolg des Films zu bestimmen.

Twitter als eine moderne Kristallkugel, um in die Zukunft zu blicken: Nach Hubermans Überzeugung funktioniert das nicht nur bei Kinofilmen. Die habe man vor allem wegen der leicht zugänglichen Daten als Testsystem ausgesucht. Das Prinzip, aus Aufmerksamkeit in sozialen Medien realen Erfolg zu prognostizieren, sollte ebenso bei beliebigen Produkten, Wahlen oder Themen der gesellschaftlichen Agenda funktionieren.