Treibhausgase aus den Städten: Hamburg ist viel sauberer als Stuttgart

Studie von Weltbank-Analysten vergleicht CO2-Emissionen von 100 Metropolen in aller Welt

Rotterdam
Rotterdam

Washington (USA) - Weltweit sind die Städte die größten Verursacher für die Erderwärmung. Sie stoßen über 80 Prozent der rund um den Globus emittierten Treibhausgase aus. Amerikanische Klimaforscher sammelten nun die verfügbaren Daten von allen Metropolen der Erde. In ihrer Studie, die nun im Fachblatt "Environment and Urbanization" erschien, nimmt Stuttgart eine unrühmliche Spitzenstellung ein. Mit 16 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent (CO2e) pro Einwohner rangierte die Stadt im Jahr 2005 in der gleichen Emissionsklasse wie US-amerikanische Großstädte. Stockholm stieß im gleichen Jahr dagegen nur 3,6 Tonnen aus, Genf etwas mehr mit 7,8 Tonnen pro Einwohner und Jahr.

"Der Minderungsprozess für den Treibhausgas-Ausstoß sollte mit einem guten Verständnis der Emissionsquellen beginnen", berichten Daniel Hoornweg, Stadtexperte bei der Weltbank in Washington, und seine Kollegen von der University of Toronto. Ihre Bestandsaufnahme ist ein erster Schritt dahin, um trotz teilweise älterer Zahlen den Erfolg von klimaschützenden Maßnahmen der Städte beurteilen zu können. So finden sich größten Klimasünder fast ausschließlich in den entwickelten Industriestaaten. Die Liste mit Emissionsdaten von 100 ausgewählten Metropolen auf allen Kontinenten wird angeführt von der Hafenstadt Rotterdam mit 29,8 Jahrestonnen CO2 pro Einwohner (2005). Die gesamten Niederlande bewegen sich mit nur 12,67 Tonnen im Mittelfeld (2007).

Besonders wenig Treibhausgas pro Einwohner stoßen erwartungsgemäß die Großstädte der Entwicklungsländer aus. Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesh, kommt gerade mal auf 0,63 Tonnen pro Jahr. Ähnlich niedrig sind die Werte für Metropolen in Indien und Nepal. Die aufstrebenden Städte Chinas wie Beijing, Shanghai oder Tianjin erreichen mit 10 bis 11 Jahrestonnen pro Einwohner bereits europäisches Niveau. Zum Vergleich: Hamburg kommt 2005 auf 9,7 Jahrestonnen CO2-Äquivalent, Frankfurt auf 13,7 und Paris auf überraschend geringe 5,2. Unter den gelisteten US-amerikanischen Städten steht Denver mit 21,5 Jahrestonnen an der Spitze, San Francisco mit 10,1 Jahrestonnen bildet das Schlusslicht. Besonders hoch war der CO2-Ausstoß im Jahre 2006 in Sydney mit 20,3 Jahrestonnen, begründet in dem hohen Anteil an Kohlenstrom in Australien. Aus dem gleichen Grund findet sich Kapstadt (11,6 Jahrestonnen) in der Spitzengruppe der afrikanischen Städte.

Mit Verkehr, Industrie und privaten Haushalte sind die wichtigsten Quellen der Treibhausgase bekannt und können die großen Unterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsstaaten erklären. Doch die stark voneinander abweichenden Werte allein der europäischen Großstädte erfordert eine genauere Analyse. "Die Pro-Kopf-Emissionen in Städten spiegeln weitestgehend die ökonomische Struktur und den Aufbau der Städte wieder", erläutern Hoornweg und Kollegen. In Stuttgart könne daher die Ballung von Industrieunternehmen für den hohen Emissionswert, in Stockholm dagegen der große Anteil an Strom aus Wasserkraft für den sehr geringen Ausstoß verantwortlich gemacht werden.

Dass sich Städte mit vielen Industrieunternehmen nicht von heute auf morgen zum Klima-Musterschüler wandeln können, ist den Autoren durchaus bewusst. Für eine effizientere Vermeidung von CO2-Emissionen schlagen sie nicht nur bessere Wärmedämmung der Häuser und einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs vor. Vielmehr seien Strategien in Zusammenarbeit der Städte mit den umgebenden Landkommunen zu entwickeln, um die Stromversorgung einer ganzen Region klimafreundlicher zu gestalten und den Energiebedarf der konsumierten Güter zu senken.