Metallwolke soll Weltraummüll aus dem Orbit räumen

Schwere Wolfram-Teilchen könnten Schrottklumpen zum schnelleren Verglühen in der Erdatmosphäre bringen

Metallwolke gegen Weltraumschrott
Metallwolke gegen Weltraumschrott

Washington (USA) - Fast 20.000 größere Trümmerstücke in Umlaufbahnen um die Erde bilden eine permanante Bedrohung für hunderte teurer High-Tech-Satelliten. Eine gigantische Wolke aus winzigen Metallpartikeln könnte nach Vorstellungen amerikanischer Wissenschaftler vom US Naval Research Laboratory nun die Lösung für dieses Weltraumschrott-Problem bringen. Das Metall soll sich im Orbit an die Schrottteile - jedes davon größer als ein Apfel - anheften, deren Gewicht deutlich erhöhen und für mehr Reibungswiderstand sorgen. Denn je schwerer ein Trümmerstück ist, desto eher verliert es an Höhe und kann in der Erdatmosphäre verglühen. Diese ungewöhnliche Idee stellen die Forscher in einer Veröffentlichung auf dem Preprint-Server Arxiv zur Diskussion.

"Wir stellen uns eine Staubwolke in einem Orbit zwischen 900 und 1100 Kilometern Höhe vor", erläutern Gurudas Ganguli und seine Kollegen ihre Idee näher. Raketen könnten etwa 20 Tonnen Staub aus dem Schwermetall Wolfram in der Erdumlaufbahn freisetzen, die sich gleichmäßig verteilen und für gut 30 Jahre als kosmischer Räumdienst fungieren. Dabei würden die Schrottteile die nur 30 Millionstel Meter kleinen Metallpartikel aufsammeln und durch das zusätzliche Gewicht binnen einiger Jahre deutlich an Höhe verlieren. Tauchen sie in etwa 900 Kilometer Höhe langsam in die Erdatmosphäre ein, wäre ihr Schicksal besiegelt. Sie würden schlicht verglühen.

Ganguli und seine Kollegen sind sich bewusst, dass sich Satellitenbetreiber wegen der Wolframwolke um die Sicherheit ihrer Erdtrabanten sorgen könnten. "Doch die notwendige Staubdichte wäre gering genug, dass aktive Satelliten nicht durch die Partikel gestört würden", so die Forscher. Ungeklärt sei jedoch, wie stark die Staubwolke den freien Blick von erdgestützten Teleskopen ins All beeinflussen könnte. Daher wollen die Forscher die Details ihrer Idee noch weiter untersuchen.

So ist die Wolframwolke noch lange nicht reif den praktischen Einsatz als Räumdienst im Orbit. Doch da sich das Problem Weltraummüll mit immer mehr ausgedienten Beobachtungs- und Kommunikationssatelliten in den kommenden Jahren verschärfen wird, suchen Forscher weltweit nach einer geeigneten Lösung. So schlugen erst vor wenigen Monaten Wissenschaftler von der Global Aerospace Corporation in Kalifornien vor, Satelliten mit aufblasbaren Heliumballons auszustatten. Am Ende ihrer Nutzungsdauer könnte das Gas aus einem mitgeführten Druckbehälter einen etwa 40 Meter großen Ballon füllen. Der zusätzliche Reibungswiderstand würde den Satelliten abbremsen und binnen eines einzigen Jahres in die Erdatmosphäre eintauchen und verglühen lassen. Bereits vorhandener Weltraumschrott könnte damit allerdings nicht beseitigt werden.