Genug grüner Strom für die ganze Welt

Neues Szenario hält kostenneutralen Umbau der globalen Energieversorgung bis 2030 für möglich

Solarkraftwerk
Solarkraftwerk

Stanford (USA) - Etwa vier Millionen Windräder, 89.000 große Solarparks und 270 neue Wasserkraftwerke könnten das Rückgrat für eine komplett klimaneutrale Energieversorgung der gesamten Erde bilden. Bis 2030 wäre ein solcher Umbau sogar zu den gleichen Energiekosten wie heute möglich, prognostizieren amerikanische Energieexperten von der Stanford University und der University of California in Davis. In der Fachzeitschrift "Energy Policy" veröffentlichten sie nun ein detailliertes Szenario für den Aufbau einer globalen Energieversorgung, die ausschließlich auf erneuerbaren Quellen basiert.

"Die Hürden auf diesem Weg sind vor allem sozialer und politischer Natur und nicht technologisch oder wirtschaftlich begründet", schreiben Mark Z. Jacobson und Mark A. Delucchi. In ihre Kalkulation fließen umfassende, volkswirtschaftliche Aspekte ein. Gegen die Baukosten für Kraftwerke und ein engmaschiges intelligentes Stromnetz rechnen sie beispielsweise die Kosten für Gesundheitsschäden, verursacht durch die Umweltbelastung fossiler Kraftwerke oder für Klimakatastrophen wegen der prognostizierten Erderwärmung auf. Simultan zum Aufbau neuer Kraftwerke schätzten die Forscher das Sparpotenzial an Energie auf etwa 30 Prozent ab, das sich allein durch einen effizienten Ausbau der Energieinfrastruktur erreichen ließe.

Innerhalb der kommenden 20 Jahre könnten Strom aus Sonne und Wind etwa 90 Prozent des weltweiten Bedarfs decken. Die verbleibende Lücke ließe sich durch gut 5000 Geothermie-Anlagen (100 Megawatt), über einer Million Wellen- und Gezeitenkraftwerke mit bis zu einem Megawatt Leistung und 270 großen Wasserkraftwerken in der 1300 Megawatt-Klasse stopfen. Für die wachsende Mobilität sollen keine umstrittenen Biotreibstoffe genutzt werden, die mit Nahrungsmitteln um Anbauflächen konkurrieren. Hingegen könnten Millionen von Elektrofahrzeugen aus dem Stromnetz gespeist werden. Auch über Strom produzierter Wasserstoff würde als Energieträger für Fahrzeuge eine wichtige Rolle einnehmen.

Die Basis für dieses sehr optimistisch anmutende Szenario fanden Jacobson und Delucchi in der Menge verfügbarer Analysen von Kraftwerkstechnologien über volkswirtschaftliche Berechnungen der Folgekosten eines Klimawandels bis hin zu Reports über die bekannten Energie- und Materialressourcen. Auch den Flächenbedarf für die Menge der neuen Kraftwerke ließen die Forscher nicht außer acht und bezifferten ihn mit nur einem Prozent der globalen Landfläche.

Des enormen Aufwands für diesen gigantischen, aber lohnenswerten Umbau der Energieversorgung sind sich die Autoren durchaus bewusst. "Aber der komplette Umbau des Energiesektors wäre nicht das erste Großprojekt, das in der Geschichte der USA oder der Welt unternommen wurde", betonen die Wissenschaftler und ziehen Vergleiche mit dem Apollo-Mondprogramm oder dem konzertierten Aufbau des amerikanischen Fernstraßennetzes in den 1950er Jahren heran.

Doch die Umsetzung ihres Szenarios verlangt nicht nur nach einer amerikanischen, sondern einer weltweit geplanten und koordinierten Initiative. Aus heutiger Sicht erscheint sie daher wenig realistisch. Dennoch liefert die aktuelle Studie eine - nach heutigem Kenntnisstand - seriöse Abschätzung der Kosten und Folgen dieser noch utopischen Energieversorgung und könnte wegweisende Entscheidungen von Wirtschaft und Politik mit beeinflussen.