E10-Sprit: Weniger Gesundheitsschäden durch Feinstaub

Australische Studie schätzt Einsparungen für das Gesundheitssystem auf über 30 Millionen Euro allein für die Großstädte Sydney, Melbourne, Perth und Brisbane

E10-Zapfsäule
E10-Zapfsäule

Aspendale (Australien) - Aus Angst vor Motorschäden ist E10-Sprit noch immer ein Ladenhüter an deutschen Tankstellen. Auch der Nutzen für das Klima durch die 10-prozentige Beimischung an Bioethanol und der Einfluss auf Nahrungsmittelpreise werden kontrovers diskutiert. Doch E10 bietet auch Vorteile: Es schont offenbar die Gesundheit von Stadtbewohnern. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team australischer Wissenschaftler, die in einer breit angelegten Studie die Luftbelastung durch den Autoverkehr untersucht haben. Laut dem Bericht in der Fachzeitschrift "Energies" könnten mit E10 die Kosten für das Gesundheitssystem in den vier australischen Großstädten Sydney, Melbourne, Perth und Brisbane um bis zu 30 Millionen Euro pro Jahr gesenkt werden.

"Mehr als 97 Prozent der Einsparungen für das Gesundheitssystem lassen sich durch den reduzierten Ausstoß an Feinststaub (PM 2,5) erklären", erklären Tom Beer und seine Kollegen von den Csiro Forschungszentren für Energietechnologie und Atmosphärenforschung. Denn im Vergleich zu Benzin ohne Ethanol-Beimischung und E5 mit fünf Prozent Ethanol stoßen mit E10 betankte Fahrzeuge gut ein Drittel weniger Staubpartikel mit einer Größe von bis zu zweieinhalb Mikrometer aus. Genau dieser Feinststaub kann, eingeatmet, tief in die Lungen gelangen und dort zu Atemwegserkrankungen führen.

Für diese Analyse untersuchten die Forscher exakt die Abgase von 21 Benzin-Fahrzeugen, die die derzeitige Fahrzeugflotte auf australischen Straßen repräsentieren. E10 senkte dabei nicht nur den Ausstoß an Feinststaub signifikant, sondern auch den Anteil an giftigem Kohlenmonoxid. Hingegen stiegen die Mengen an Stickstoffdioxid und Ozon im Vergleich zu ethanolfreiem Benzin leicht an.

Um den Einfluss von E10 auf die Gesundheit zu ermitteln, entwickelten die Wissenschaftler auf der Basis von Luftqualitätsmessungen ein komplexes Szenario für die gut elf Millionen Großstadtbewohner. Aus früheren Studien ist bekannt, das Atemwegserkrankungen, Asthma und Lungenkrebs mit dem Anteil an Feinststaub in der Atemluft zusammenhängen. Gekoppelt mit Wettermodellen für die Großstädte konnten sie den Anteil des Straßenverkehrs an der Luftverschmutzung beziffern. Ein Rückgang der Feinststaub-Konzentrationen um bis zu ein Drittel führte in dem Szenario direkt zu weniger Krankheitsfällen und geringeren Behandlungskosten.

"Auch wenn diese Werte natürlich schwanken können, ist die generelle Aussage über den Nutzen für die Gesundheit robust", befürworten die Forscher die komplette Umstellung der Benzinmotoren auf E10. Allerdings betonen sie, dass dieser Vorteil von E10 durch immer modernere Motoren schrumpfen könnte. Denn bei den neuesten Fahrzeugen sei der Feinstaub-Anteil deutlich geringer als bei älteren, ganz unabhängig vom verbrannten Treibstoff.