Wie Parkplätze die Umwelt belasten

Neue Studie ermittelt Energiebedarf und Schadstoffemissionen der automobilen Infrastruktur

Parkplatz 1930
Parkplatz 1930

Berkeley (USA) - Für ein gut ausgebautes Straßennetz und Millionen von Parkplätzen werden zunehmend Flächen versiegelt. Weniger Grünflächen und ein beschleunigter Artenschwund in bewohnten Regionen sind die Folgen. Doch dies ist nur ein Teil des Preises, der für die individuelle Mobilität gezahlt werden muss. Amerikanische Wissenschaftler analysierten nun auch den zusätzlichen Energiebedarf und die Schadstoffbelastung, die durch Treibstoffproduktion, Straßenneubau und zuletzt auch durch den Bau und Umbau von Parkplätzen die Umweltbilanz der Automobilität belasten. Ihre Ergebnisse für das Gebiet der Vereinigten Staaten präsentieren sie in der Fachzeitschrift "Environmental Research Letters".

"Der Effekt von Parkplätzen, addiert zum Energieverbrauch und den Emissionen, die ein Auto nur beim Fahren erzeugt, ist signifikant", schreiben Mikhail Chester und seine Kollegen von der University of California in Berkeley. Da es für die USA keine gesicherten Daten zur Anzahl aller Parkplätze gibt, berechneten sie die Umwelteinflüsse in fünf verschiedenen Szenarien. Die Zahlen schwanken dabei zwischen relativ unrealistischen 105 Millionen Parkplätzen bis zu zwei Milliarden bei geschätzten 250 Millionen Autos im amerikanischen Straßenverkehr. Realistisch erscheint das vierte Szenario, das von landesweit 3,4 existierenden Parkplätzen pro Fahrzeug ausgeht.

Gemessen an einer Gesamtfahrleistung von rund 150.000 Kilometern pro Fahrzeug schlägt sich der zusätzliche Energiebedarf für die automobile Infrastruktur mit einer Steigerung von gut sechs Prozent von 4,8 Megajoule auf 5,1 Megajoule nur gering nieder. Doch für den Ausstoß von Schwefeldioxid (SO2) und bei der Feinstaubbelastung übersteigt die Belastung durch die Infrastruktur die des Betriebs eines Autos deutlich. Bei 840 Millionen Parkplätzen landesweit sind die Umweltbelastungen durch den Bau von Straßen und Parkplätzen, von Raffinieren für die Treibstoffproduktion und für die Wartung des Straßennetzes etwa doppelt so hoch wie durch die Emissionen der Fahrzeuge selbst. Für die Parkplätze allein werden dreimal so viele Schwefeloxide in die Atmosphäre geblasen. Das hat mitunter seine Ursache darin, dass der SO2-Ausstoß der Fahrzeuge seit der Einführung des Katalysators drastisch gesenkt werden konnte.

Diese Studie bezieht sich zwar auf die amerikanische Infrastruktur, doch mit kleinen Abstrichen bei der Anzahl der Parkplätze kann sich prinzipiell auch auf Europa übertragen werden. Genauere Untersuchungen könnten folgen, um die echten Umweltkosten durch den individuellen Autoverkehr bestimmen zu können. Für nachhaltige Mobilitätskonzepte, die einerseits hohe Beweglichkeit aber auch eine möglichst geringe Umweltbelastung gewährleisten sollen, können diese Analysen wertvolle Daten liefern. Unterstützen werden sie einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und den bereits einsetzenden Trend zur Zweiradmobilität mit Fahrrad und E-Bike.