Schwebt der Transrapid bald auf Teneriffa?

Auf einer Strecke von 120 Kilometern soll der Magnetschwebezug Tempo 270 erreichen

Transrapid in Shanghai
Transrapid in Shanghai

Berlin - Nach der Teststrecke im Emsland und der Flughafenanbindung in Shanghai könnte der Transrapid in einigen Jahren auf der Kanareninsel Teneriffa schweben. Unter Beteiligung deutscher Ingenieure entsteht derzeit eine Machbarkeitsstudie, die im Frühjahr dem Inselpräsidenten Ricardo Navarro vorgelegt werden soll. Von der Inselhauptstadt Santa Cruz soll die Magnetschwebebahn den touristisch wichtigen Süden, die beiden Flughäfen und größere Orte an der Nordküste miteinander verbinden. Die Kosten für das Projekt könnten bei gut drei Milliarden Euro liegen und damit in der gleichen Größenordnung wie eine schienengebundene Eisenbahnstrecke.

"Es ist das nicht allein das hohe Tempo, sondern die Steigungsfähigkeit und gute Beschleunigung, was den Transrapid für Teneriffa so attraktiv macht", sagt Peter Mnich, Leiter des Bereichs Betriebssysteme elektrischer Bahnen an der TU Berlin. Denn da die Magnetbahn relativ große Steigungen von bis zu sechs Prozent bewältigen kann, braucht man deutlich weniger Tunnel als mit einem klassischen Rad-Schiene-System. Mit fünf Zwischenstopps soll der Transrapid Santa Cruz mit dem 80 Kilometer entfernten Las Américas gen Süden verbinden. Weitere 40 Kilometer Strecke sind für den Bahnanschluss der Nordküste an die Inselhauptstadt geplant.

"Wir wollen den Fahrweg auf dem Mittelstreifen der Autobahn aufgeständert verwirklichen", sagt Mnich, der neben der Baufirma Max Bögl an den Planungen beteiligt ist. Dadurch benötige man nur relativ wenig Platz. Als Fahrgäste haben die Planer vor allem die Inselbewohner im Blick, die dann schneller aus dem dichter besiedelten Norden zu ihren Arbeitsplätzen im touristisch erschlossenen Süden von Teneriffa gelangen sollen. Nur noch 20 Minuten soll die Fahrt bei Geschwindigkeiten von bis zu 270 Kilometern pro Stunde zwischen Santa Cruz und Las Américas dauern.

Bereits kommendes Jahr könnte das Milliardenprojekt in die nächste Phase eintreten und einer Entscheidung ein gutes Stück näher kommen. Verbindliche Zusagen für die kompletten Baukosten gibt es bislang jedoch nicht. "Doch die Betriebskosten liegen wegen eines geringeren Verschleißes 20 bis 30 Prozent unter den einer klassichen Bahnverbindung", sagt Mnich. Nach ersten Plänen für eine Bahnstrecke aus dem Jahr 1889 könnte so im kommenden Jahrzehnt die Kanareninsel neben Sonne, Strand und Vulkanmassiv eine weitere Attraktion erhalten.

Parallel zum Transrapid forschen auch japanische Entwickler an einer Magnetschwebebahn. Mit Tempo 500 könnte im Land der Schnellzüge der schnellste Magnetzug der Welt neue Rekorde aufstellen. Im Unterschied zu den Querelen um die deutsche Konkurrenz-Entwicklung Transrapid ist für den japanischen Maglev-Zug eine reale Verkehrsstrecke geplant. Bis 2027 könnten Reisenden auf den etwa 500 Kilometern zwischen Tokio und Osaka in einer Stunde pendeln. Im Unterschied zum Transrapid nutzen die Maglev-Konstrukteure supraleitende Magnete. "Diese Technologie ist im Aufbau allerdings viel teurer und nur auf Strecken mit extrem hohen Fahrgastaufkommen sinnvoll", so Mnich. Mit bis zu 130 Millionen Passagieren pro Jahr ist diese Bedingung allerdings erfüllt.