Riesenstaudamm wird im Amazonas-Gebiet gebaut

Brasilianische Regierung genehmigt Mammutprojekt - gegen viele Widerstände sollen Turbinen mit einer Kapazität von 11.200 Megawatt 2015 in Betrieb gehen

Wasserkraftwerk Itaipu
Wasserkraftwerk Itaipu

Foz do Iguazu (Brasilien) - Nach Jahrzehnten der Planung soll im Amazonas-Gebiet im Norden Brasiliens nun Belo Monte, das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, gebaut werden. Mit einer geplanten Kapazität von 11.200 Megawatt wären nur noch der Drei-Schluchten-Staudamm in China und das Kraftwerk Itaipu im brasilianisch-paraguayanischen Grenzgebiet gewaltiger. Die Genehmigung der brasilianischen Umweltbehörde IBAMA zu Beginn dieser Woche stieß auf heftige Kritik von Umweltschützern und Sprechern indigener Völker.

"Die Folgen für die Umwelt existieren, aber sie sind ausgewogen, genau analysiert und reduziert", sagte der brasilianische Umweltminister Carlos Minc. Zusätzlich wäre das Unternehmen, das die nun folgende Ausschreibung des Projekts gewinne und den Staudamm baue, verpflichtet, 1.500 Millionen Real – etwa 500 Millionen Euro – in Umweltprojekte rund um das Kraftwerk am Rio Xingu zu investieren. "Wir sind gegen Staudämme am Xingu und werden kämpfen, um unseren Fluss zu schützen", kündigte Megaron Tuxucumarrae, ein Häuptling des im Xingu-Gebiet ansässigen Kayapo-Stammes laut der Nichtregierungsorganisation Amazon Watch an. Belo Monte dürfe nicht das Ökosystem und die Artenvielfalt zerstören. Zudem sei mit Umsiedlungen von bis zu 40.000 Menschen aus dem Überflutungsgebiet zu rechnen.

Die derzeit aktuellen Planungen am Amazonas-Zufluss Xingu gehen davon aus, dass eine Regenwaldfläche von etwa 500 Quadratkilometern überflutet werde. Das entspricht mehr als der Hälfte der Gesamtfläche Berlins. In früheren Planungen war sogar die fünffache Fläche vorgesehen, aber nach Protesten nun reduziert worden. Allerdings könne dieses Kraftwerk, so einer der stärksten Einwände der Umweltschützer, in bis zu vier Monaten pro Jahr wegen zu geringer Wassermengen überhaupt kein Strom produzieren. Das rechtfertige nicht die enormen Investitionen von geschätzten 12,3 bis 17,5 Milliarden Dollar.

"Dennoch sind große Wasserkraftwerke immer noch sehr klima- und umweltfreundlich im Vergleich zu Kohle- oder Kernkraftwerken", sagt Cicero Bley, der Koordinator des Brasilianischen Observatoriums für Erneuerbare Energien, gegenüber Wissenschaft aktuell. Da sich etwa zwölf Prozent der weltweiten Süßwasserreserven in Brasiliens Flüssen sammele, müsse diese Ressource auch entsprechend genutzt werden, so der Energieexperte.

Brasilien deckt heute etwa 75 Prozent seines Strombedarfs mit Wasserkraft aus großen Stauseen. Allein Itaipu mit einer Kapazität von 14.000 Megawatt steuert dazu 22 Prozent bei und liefert zusätzlich 90 Prozent des Stroms für den Nachbarstaat Paraguay.