Flettner-Rotor: Auf Testfahrt mit Turbosegeln

Vier haushohe, rotierende Zylinder sollen rund ein Drittel Schiffsdiesel einsparen helfen

E-Ship 1 mit Flettnerrotoren
E-Ship 1 mit Flettnerrotoren

Emden/Aurich - Nach gut 80 Jahren wird in den kommenden Tagen zum ersten Mal wieder ein Frachtschiff mit rotierenden Zylindersegeln in See stechen. An Deck des "E-Ship 1" erheben sich vier etwa 25 Meter hohe Flettnerrotoren, die den 130 Meter langen Frachter auf seinen Testfahrten zwischen Emden und Borkum antreiben sollen. So wollen die Entwickler des Windradbauers Enercon den Beweis erbringen, dass Flettnerrotoren rund ein Drittel Schiffsdiesel einsparen können.

"Ich bin überzeugt davon, dass dass Schiff ein erster ernsthafter Schritt zur Energiewende in der Schiffahrt ist", sagt E-Ship-Projektleiter Rolf Rohden. So erwartet sein Team die Testfahrten, die sich wegen der Insolvenz der Kieler Lindenau Werft gut ein Jahr verzögerten, mit großer Spannung. Mit einer Geschwindigkeit von maximal 17,5 Knoten (32,4 Kilometer pro Stunde) will Enercon mit dem Frachter seine Windräder zu den Kunden in Übersee transportieren. Hauptantrieb des 22,5 Meter breiten Schiffs bleiben konventionelle Motoren mit je 3500 Kilowatt Leistung.

Die Technologie hinter dem "E-Ship 1" wurde bereits in den 1920er Jahren entwickelt: An den von Anton Flettner erfundenen Turbosegeln strömt Seitenwind so geschickt vorbei, dass sich auf der Vorderseite der drehenden Zylinder ein Unterdruck aufbaut. Dadurch wird das ganze Schiff vorwärts gezogen. Schon 1924 lief die "Buckau" mit zwei Flettnerrotoren zu Probefahrten aus und überquerte 1926 sogar den Atlantik. Doch wegen der damals günstigen und effizienteren Kohle- und aufkommenden Dieselantriebe versank der innovative Rotorsegel in Vergessenheit. Erst Anfang der 1980er Jahre ließ der französische Ozeanograph Jacques-Yves Cousteau das mit zwei Flettnerrotoren bestückte Forschungsschiff "Alcyone" bauen.

Die von weitem sichtbaren Rotoren sind aber nicht die einzigen High-Tech-Komponenten an "E-Ship 1". So basiert der Unterwasseranstrich des Schiffs auf Silikon, um mit einer sehr glatten Oberfläche Reibungsverluste zu verringern. Mit seiner großen Erfahrung auf dem Feld der Strömungsmechanik optimierten die Enercon-Entwickler zudem das Design von Ruder und Antriebspropeller.

Auf den nun beginnenden Testfahrten wird der Schiffstüv, der Germanische Lloyd, alle Komponenten begutachten und – bei Erfolg – die Seetüchtigkeit des Frachters bestätigen. Danach wird der Windradbauer mit "E-Ship 1" Gondeln und Rotorblätter für bis zu 20 Windrädern nach Übersee transportieren können.