Bis 2050 nur noch Ökostrom für Europa

Intelligentes Stromnetz, wirtschaftliche Anreize und politischer Wille könnten Basis für grundlegenden Wandel in der Stromversorgung legen

Stromnetz für Europa
Stromnetz für Europa

Potsdam - Bis zum Jahr 2050 kann Europa seinen Strom komplett aus Wind, Sonne und anderen regenerativen Quellen gewinnen. Weder Kernkraft noch fossile Brennstoffe seien dann für eine zuverlässige Versorgung notwendig, heißt es in einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers, das zusammen mit Forschern des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dem International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) und dem European Climate Forum erarbeitet wurde. Die Studie berücksichtigt sowohl technologische, wirtschaftliche und politische Randbedingungen, die zu diesem grundlegenden Wandel der Stromversorgung notwendig sind.

"Wenn wir die Kunst des Machbaren nicht ausschöpfen, werden wir die wichtigen politischen Entscheidungen dafür nicht unterstützen können, die eher heute als morgen getroffen werden müssen", sagt PIK-Forscherin Antonella Battaglini. Denn die Technologien für die notwendigen Wind- und Solarkraftwerke stünden zur Verfügung. Von zentraler Bedeutung sei der Aufbau eines SuperSmart Grid in Europa und Nordafrika, um große Strommengen über weite Strecken -– sei es Solarstrom aus der Sahara oder Windstrom aus der Nordsee -– transportieren zu können. Neben dem Ausbau der Netzinfrastruktur müssten die Subventionen für fossile Brennstoffe bis 2020 abgebaut werden. Bis zum gleichen Zeitpunkt bräuchten die Staaten Nordafrikas eine verlässliche Perspektive, wie sie in dieses Stromnetz der Zukunft eingebunden werden können.

Ohne wirtschaftliche Anreize kann dieser Umbau jedoch nicht funktionieren. So müsse laut Gutachten bis 2020 ein europäischer Binnenmarkt für Strom geschaffen werden. Parallel sei eine strategische Stilllegung aller fossil befeuerten Kraftwerke in der EU und Nordafrika ab 2030 nötig, um deren Leistungen bis 2040 vollständig durch regenerative Quellen ersetzen zu können. So könne die Umstellung auf erneuerbare Energien Versorgungssicherheit bieten, die Stromerzeugung ohne CO2-Ausstoß klimafreundlich gestalten und die Energiearmut verringern. Ziel der Wissenschaftler ist es, dass ihr Bericht den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft als Leitfaden dient, um dieses aus heutiger Sicht sehr optimistische "2050-Szenario" schrittweise zu erreichen.