Strom aus dem Spoiler

Piezoelement auf einem Auto vibriert im Fahrtwind und kann Strom für das Bordnetz liefern

Minneapolis (USA) - Bisher steigerten Tuning-Fans mit zahlreichen am Auto montierten Spoilern nur Auffälligkeit und Benzinverbrauch. In Zukunft könnten sie aber mit diesen Anbauten so viel Strom erzeugen, um zumindest teilweise ihre bassstarke Audioanlage zu betreiben. Denn amerikanische Strömungsphysiker präsentierten nun auf der 62. Jahrestagung der American Physical Society's Division of Fluid Dynamics in Minneapolis das Konzept eines Minikraftwerks, das aus Fahrtwind elektrischen Strom erzeugen kann.

"Diese Module eröffnen die Möglichkeit, Strom aus bisher nicht genutzter Energie zu erzeugen", sagt Yiannis Andreopoulos vom City College of New York. Er testete mit seiner Arbeitsgruppe etwa ein mal zwei Zentimeter Piezoelement im Luftstrom eines Windkanals. Dabei wirbelten diese teils turbulent hin und her und erzeugten durch diese Bewegungen elektrischen Strom. Verantwortlich ist der Piezo-Effekt, der beispielsweise auch in elektronischen Feuerzeugen aus dem Fingerdruck die Zündspannung für die Flamme liefert. Besonders effizient wirbelte das Piezomodul, wenn es in den turbulenten Luftstrom am Ausgang eines Hohlzylinders gehängt wurde.

Andreopoulos ist sich wohl bewusst, dass man mit diesem "Luftstrom" die Lichtmaschine als zentrales Kraftwerk im Auto nicht ersetzen kann. Aber sie könne durchaus entlastet werden und so den Benzinverbrauch des Fahrzeugs senken helfen. Ein ähnliches Ziel verfolgen andere Wissenschaftler mit thermoelektrischen Modulen, die Strom aus der Hitze des Autoauspuffs gewinnen können.

Ob solche Piezo-Generatoren jemals die Marktreife – sei es im Fahrzeug- oder gar Flugzeugbau – erreichen werden, bleibt jedoch fraglich. Aber eingebaut in ein verlockendes Spoiler-Design könnte sich vielleicht ein Nischenmarkt in der Tuning-Gemeinde entwickeln.