Schneller Brüter "Phönix" wird endgültig stillgelegt

Als Forschungsreaktor wurde der 1974 gebaute Phönix dank eines 10 bis 20 Mal höheren Neutronenflusses als der klassischer Reaktoren insbesondere als Bestrahlungsgerät eingesetzt.

Marcoule (Frankreich) - Im Herbst 2009 wird das französische Kernkraftwerk Phönix, Prototyp des so genannten Schnellen Brüters, endgültig abgeschaltet. Durch den 1974 in Marcoule (Gard) in Betrieb genommenen Reaktor des französischen Zentrums für Atomenergie (CEA) war es möglich, die Technologie des Schnellen Brüters auf industrieller Ebene zu testen und Anhaltspunkte für die weitere Forschung zu sammeln. Im Gegensatz zu herkömmlichen Druckwasserreaktoren werden die für die Kernspaltungsreaktion im Schnellen Brüter genutzten Neutronen nicht abgebremst, was einer besonderen Kühlflüssigkeit (Natrium) bedarf. Dennoch kann der Reaktor mehr Brennstoff erzeugen, als er verbraucht. Der höhere Sicherheitsaufwand beim Schnellen Brüter und die damit verbundenen Kosten hatten bislang eine Umsetzung des Konzepts verhindert. Allgemeine Risiken der Brütertechnik liegen im großtechnischen Umgang mit Plutonium, das verglichen mit Uran wesentlich gesundheitsgefährlicher ist, und dem Kühlmittel Natrium, das im Kontakt mit Luft oder Wasser unter großer Hitzeentwicklung heftig reagiert und Brände auslösen kann.

Während der 35-jährigen Betriebsdauer konnten die Kenntnisse in zahlreichen Bereichen des Kernenergiesektors, wie etwa Materialen, Brennstoffe, Abfallbewirtschaftung, erweitert werden, so die CEA. Als Prototyp für Schnellbrüter-Kernkraftwerke habe der ans Stromnetz des EDF angeschlossene Phönix-Reaktor die industrielle Durchführbarkeit dieser Technologie bewiesen: seine Stromleistung erreichte 140 MW (im Vergleich zu 1.450 MW Leistung der leistungsstärksten Druckwasserreaktoren) und die Verfügbarkeitsrate lag bei über 80 Prozent, verglichen mit den derzeit weltweit betriebenen Industrieanlagen.

Als Forschungsreaktor wurde Phönix, dank eines 10 bis 20 Mal höheren Neutronenflusses als der klassischer Reaktoren, insbesondere als Bestrahlungsgerät eingesetzt. Mehr als 200 Bestrahlungsexperimente wurden dort durchgeführt, um Kenntnisse in zahlreichen Bereichen zu sammeln: Materialbeständigkeit unter Bestrahlung und Verbesserung der Brennstoffleistung, Tests zur Kernumwandlung niedriger Aktinide, Experimente zur Natriumtechnologie und zum Betrieb im "Schnellbrüter"-Modus.

Nach seiner Abkopplung vom Stromnetz am 6. März 2009, wurde Phönix im Frühjahr und Sommer 2009 für das Programm "allerletzte Versuche" genutzt. Bis November 2009 werden Physiker dort Experimente zum Neutronenfluss, der Thermohydraulik und Sicherheitsexperimente durchführen, die nur geringe Leistungen von einigen kWe benötigen. Anschließend werden nach und nach die 300 Brennelemente abgebaut und für einen Weitertransport in die Wiederaufbereitungsanlage La Hague zwischengelagert. Die Stilllegung soll Ende 2011 beginnen und sich auf etwa 15 Jahre erstrecken.

Nach der Stilllegung von Phönix werden die Bestrahlungsexperimente in Versuchreaktoren im Ausland weitergeführt. Geplant ist auch, sie im Forschungsreaktor Jules Horowitz (RJH) durchzuführen, der 2014 auf dem CEA-Gelände in Cadarache in Betrieb genommen werden soll. RJH, dessen Grundsteinlegung im März 2007 stattfand, gilt als Reaktor der 3. Generation und wird zusammen mit acht anderen europäischen Staaten gebaut. Er soll 100 MW Leistung generieren und ist für Materialtests vorgesehen. Die Kosten für das Projekt werden auf 500 Millionen € geschätzt und werden vom CEA (50 %), Électricité de France (20 %), EU-Forschungseinrichtungen (20 %) und Areva (10 %) getragen. Schnelle Brüter-Kraftwerke sind für Frankreich die Referenzreaktoren für die Entwicklung von Reaktoren der 4. Generation. Ein für 2020 geplanter französischer Prototyp könnte demzufolge die Nachfolge von Phönix antreten.