Saubere Abgase: – Organische Flüssigkeit bindet CO2 und Stickoxide

Neue Substanz soll Kraftwerksemissionen effizient und günstig reinigen können

Richland (USA) - Diese Woche startete der deutsche Stromversorger RWE am Braunkohlekraftwerk Niederaußem die erste deutsche Rauchgaswaschanlage für Kohlendioxid. Mit dieser Pilotanlage soll auf dem Weg zum klimafreundlichen Kohlekraftwerk die Abscheidung des Treibhausgases gestestet werden. Doch so effizient diese Filtermethoden funktionieren mögen, so kostspielig sind noch die aufwendigen Reinigungsprozesse. Eine Energie sparende und zugleich kostengünstige Alternative sehen amerikanische Wissenschaftler nun in speziellen organischen Flüssigkeiten. Wie sie auf der Herbsttagung der amerikanischen, chemischen Gesellschaft (ACS) berichteten, können diese Substanzen sowohl Kohlendioxid als auch das giftige Stickstoffdioxid an sich binden.

"Heutige Methoden für die CO2-Reinigung von Kraftwerksemissionen brauchen viel Energie, weil bei dem Prozess Wasser aufgeheizt wird", sagt David Heldebrant vom Pacific Northwest National Laboratory in Richland. Seine wasserfreie Flüssigkeit auf der Basis von organischen Makromolekülen, CO2BOL genannt, könne dagegen doppelt so viel CO2 binden als andere, derzeit verwendete flüssige Filter wie beispielsweise Monoethanolamin. Zusätzlich gebe sie das einmal aufgenommene CO2 schon bei geringeren Temperaturen kontrolliert wieder ab, um so für eine erneute Anwendung recycelt zu werden.

Nicht nur das Klimagas CO2, sondern auch weitere giftige Substanzen im Abgasqualm sollen die organischen Flüssigkeiten effizient an sich binden können. Heldebrant präsentierte dazu erste Versuche, in denen auch Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Carbonylsulfid aus Rauchgasen entfernt werden konnten. Nach dem Recycling der Filterflüssigkeit könnten diese umwelt- und gesundheitsschädlichen Gase sicher entsorgt werden.

Ob diese Klasse von organischen Flüssigkeiten bald in Kraftwerken angewendet werden könnten, bleibt jedoch fraglich. Denn noch sagte Heldebrant weder etwas über die Anschaffungskosten dieser Filtersubstanzen noch über deren Eignung im großtechnischen Maßstab. Unklar ist auch noch, ob sich das so gefilterte CO2 überhaupt auf Jahrtausende sicher in unterirdischen Speichern lagern lässt.