Klimawandel gefährdet Atomstrom-Produktion

Bei wärmeren Flüssen müssen Kernkraftwerke häufiger gedrosselt werden

Mannheim - Die Temperaturen in europäischen Flüssen werden wegen des Klimawandels spürbar ansteigen. Dadurch müssten vor allem in den Sommermonaten Kernkraftwerke ihre Stromproduktion häufiger drosseln oder komplett einstellen, um eine Überhitzung zu vermeiden. Vor dieser Entwicklung warnt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim in seinem neuesten Energiemarktbarometer. Über die Hälfte von rund 200 Energieexperten aus Wissenschaft und Industrie geht davon aus, dass die häufigeren Leistungsausfälle in Kernkraftwerken die Stromversorgung stärker als bisher gefährden.

Für den sicheren Betrieb von Atommeilern ist eine Kühlung der Anlagen mit Flusswasser dringend notwendig. Doch während Hitze- und Trockenperioden wie zuletzt im Sommer 2003 sind europäische Flüsse wegen zu geringer Pegelstände und zu hoher Temperaturen als Kühlreservoir nur noch eingeschränkt geeignet. Die Folge: Kraftwerke müssen ihre Stromproduktion senken oder gar komplett aussetzen. Rund ein Drittel der Befragten sind davon überzeugt, dass es in den kommenden 30 bis 40 Jahren viel häufiger zu diesen klimabedingten Kraftwerksausfällen kommen wird. Ob solche Produktionsausfälle die Versorgungssicherheit gefährden, können sie bisher nicht eindeutig beantworten.

Etwas weniger stark betroffen sollen nach Meinung der Experten Kohle- oder Wasserkraftwerke sein. Vor diesem Hintergrund zeigen die Ergebnisse des ZEW Energiemarktbarometers, dass die Strommärkte in Europa durch den Klimawandel unter verschärften Anpassungsdruck geraten könnten. Rund 80 Prozent der befragten Experten halten den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien für eine geeignete Maßnahme gegen Stromengpässe wegen abgeschalteter Großkraftwerke.