Steckdose für dicke Schiffe

Selbst im Hafen verbrennen die Maschinen der Handelsschiffe weiter schwefelreichen Schiffsdiesel – genormte Landstrom-Anschlüsse können Abgase und Feinstaubbelastung mindern

Steckdose für Handelsschiffe im Lübecker Hafen
Steckdose für Handelsschiffe im Lübecker Hafen

Lübeck - Die Bewohner der Hansestadt Lübeck können aufatmen. Denn die Schiffe in ihrem Hafen können ab sofort während ihrer Liegezeit auf Landstrom zugreifen. Deren Motoren, die schwefelreichen Schiffsdiesel verbrennen, dürfen ruhen und stoßen keine schädliche Abgase mehr aus. Lübeck setzt mit dieser ersten Steckdose für Handels- und Kreuzfahrtschiffe in Deutschland Maßstäbe.

Entwickelt wurde das "Siharbor"-System vom Technologiekonzern Siemens. Demnach sollen 35 Prozent weniger Kohlendioxid, über 95 Prozent weniger Stickoxide und 90 Prozent weniger Feinstaub entstehen als beim Betrieb des Schiffsdiesels. Da es für den Schiffstreibstoff bisher keine weltweit geltenden Umweltauflagen gelten, ist die zusätzliche Abgasbelastung in den Hafenstädten vergleichbar mit den Emissionen mehrerer zehntausend Kraftfahrzeuge. Und bisher müssen die Schiffe ihre Maschinen auch im Hafen weiterlaufen lassen, da nur so - über Generatoren - der benötigte Strom produziert werden kann. Dabei ist der Stromhunger von Kreuzfahrtschiffen besonders hoch.

Der nun am Lübecker Terminal Nordlandkai installierte Landstromanschluss ist an sich eine 50-Hertz-Anlage. Allerdings läuft bei zwei Dritteln aller Schiffe weltweit das Bordnetz mit 60 Hertz. Für die Landstromversorgung in Europa ist daher eine Anpassung erforderlich. Hierfür hat Siemens das Siplink-System, das Herzstück der Siharbor Lösung, entwickelt, um Stromversorgungsnetze mit unterschiedlichen Parametern einander anzupassen und miteinander zu verbinden.

Bis solche Schiffssteckdosen europaweit installiert werden, könnten noch viele Jahre vergehen. Um bereits vorher die Abgasbelastung für die Hafenstädte zu reduzieren, könnten sauberere Treibstoffe verbrannt werden. Doch diese wären deutlich teurer als der heute genutzte Schiffsdiesel mit hohen Schwerölanteilen. "Saubere Treibstoffe können die Schwefel- und Partikelemissionen senken", sagt James Winebrake vom Rochester Institute of Technology. Seine Arbeitsgruppe veröffentlichte gerade eine Studie zur Luftbelastung durch Schiffsdiesel in der Zeitschrift " Journal of the Air & Waste Management Association".