Kalter Puffer: Energiespitzen im Kühlhaus speichern

Umweltfreundliche Energiequellen wie Sonne und Wind liefern zwar kostenlos, aber auch höchst unregelmäßig Strom. Die Stromnetze der Energieversorger hingegen reagieren sehr empfindlich auf ungleichmäßiges Einspeisen. Deshalb setzt ein europäisches Forscherteam jetzt auf Kühlhäuser als vorübergehende Stromspeicher.

Windgeneratoren
Windgeneratoren

Apeldoorn (Niederlande) - Kühlhäuser funktionieren wie Batterien: Würde man etwa die Temperatur aller großen Anlagen in Europa um nur ein Grad Celsius anheben, könnte man rund 50.000 Megawattstunden an Energie speichern. Das Kühlgut dürfte Temperaturschwankungen um wenige Grad nicht übelnehmen. Anders als andere Speicherkonzepte sind auch keine großen Investitionen nötig, so die Forscher: Kühlhäuser sind in großer Menge bereits vorhanden, es braucht nur die Software, um das Einspeisen und Abzapfen optimal zu steuern.

"Als Gefrier-Experte wurden mir die Möglichkeiten bewusst, Kühlhäuser als thermische Energiespeicher und damit elektrische Energiespeicher zu nutzen", erklärt Sietze von der Sluis vom staatlichen niederländischen Forschungsorganisation TNO (The Netherlands Organization for Applied Scientific Research). Der Experte für Kühl- und Heiztechnik arbeitet an der Umsetzung der Idee im EU-Forschungsprojekt "Night Wind", gemeinsam mit Forschern der Technischen Universität Risø in Dänemark, Spaniens Nationalem Center für Erneuerbare Energien CENER und der Technischen Universität Sofia in Bulgarien. Kühlhäuser arbeiten ohnehin bereits mit Unterschieden in der Energieversorgung: Mancherorts zapfen sie nur nachts Strom, wenn die Nachfrage geringer und die Preise niedriger sind. Nach van der Sluis' Berechnungen ist die Zahl der Anlagen bereits heute groß genug, um das Doppelte der 2010 vermutlich erzeugten Windenergie in der EU aufzufangen. Als erstes Demonstrationsobjekt will das Team eine Windturbine neben dem größten Kühlhaus der Niederlande installieren, in Bergen op Zoom. Dies soll die Funktion der entwickelten Steuer-Software im Alltagsbetrieb austesten.