Schwimmende Entsalzungsanlagen decken Energiebedarf aus Wellenbewegung

Das Entsalzen von Meerwasser braucht viel Energie - doch lässt sich diese direkt aus dem Meer ziehen, berichten britische Ingenieure.

Edinburgh (Großbritannien) - Sie entwickelten eine stromerzeugende Boje weiter, so dass sie als Pumpsystem und schwimmende Entsalzungsanlage dient. Druckveränderungen durch die Wellenbewegung liefern die Energie, um Meerwasser zu destillieren. Derzeit arbeiten Prototypen des Geräts, dass 20 Meter Länge und 10 Meter Durchmesser haben soll. Damit könnte es rund 2000 Kubikmeter Süßwasser am Tag produzieren, so die Forscher - ausreichend für 20.000 Menschen und ideal für Länder mit Meeresküste und ausreichend Seegang.

Grundlage der Entwicklung ist die so genannte "Edinburgh-Ente", eine stromerzeugende Boje, in den 1970er Jahren entwickelt von Stephen Salter. Der Professor für Ingenieurwesen an der Edinburgh University hatte dem Schwimmkörper an einer Seite Zylinder verpasst, die wie ein Entenschnabel wirkten. Jetzt entwickelten Salter und Kollegen das Gerät zur Entsalzungsanlage weiter: Das Innere jeder "Ente" zur Hälfte mit Süßwasser gefüllt, das als Ballast dient und Korrosion verhindern soll. Der Luftraum darüber ist in zwei Kammern geteilt. Während die Vorrichtung nun auf den Wellen tanzt, fungiert das Ballastwasser wie ein Kolben und erhöht den Luftdruck auf der einen Seite der Trennwand, während auf der anderen Unterdruck entsteht. Die Forscher berichten im Fachblatt "Journal of Engineering for the Maritime Environment".

Zum Entsalzen muss das Ballastwasser auf rund 100 Grad Celsius vorgeheizt werden. Doch ist das System so gut isoliert, so Salter, dass die Temperatur nur langsam sinkt und nur etwa jeden Monat ein Nachheizen oder Nachfüllen nötig ist. Ein Wärmetauscher im System erhitzt nun Salzwasser in einer Sammelkammer. Der Unterdruck lässt das Wasser schon bei Temperaturen unterhalb des eigentlichen Siedepunktes (100 Grad Celsius) verdunsten, und hilft den Dampf aus der Kammer zu ziehen. Der kondensierte Dampf, das Süßwasser, kann dann an Land gepumpt werden - über Leitungen entlang der Befestigungen, die den Schwimmkörper am Meeresboden halten. Das zurückbleibende Salzwasser sammelt sich unterhalb der zentralen Kammer und gelangt zurück ins Meer. Derzeit testen Salter und Kollegen Prototypen im verkleinerten Format in Wellentanks.