Die digitale Fingerspitze: Computer per Gesten steuern und "Gefühltes" digitalisieren

Ein kleiner Fingerhut auf dem Zeigefinger soll die Kommunikation mit Computern verändern: Der "Fingertip Digitizer" aus den USA nimmt Gesten wahr und kann Oberflächen abtasten, ob für technische Beschreibungen oder medizinische Diagnosen.

Buffalo (USA) - Mit dieser digitalen Fingerspitze lassen sich berührungsfrei Programme bedienen und Computerspiele steuern, ohne dass jemals Tastatur, Maus oder Touch-Screen nötig werden. Eingebaute Technik im Miniaturformat nimmt die Bewegungen wahr und rechnet sie in Bewegungen auf dem Bildschirm um. Sie macht ebenfalls möglich, Aussehen und Größe eines Gegenstands in den Computer -- und an weit entfernte Empfänger -- zu übermitteln, wenn die digitale Fingerspitze über dessen Oberfläche tastet oder streicht. Anders als bisherige haptische Geräte in Stiftform soll der "Digitizer" natürlicher zu nutzen sein, so seine Entwickler. Ein vorläufiges Patent ist beantragt, in rund drei Jahren könnte er marktreif sein.

"Besonders die Gestenerkennung dieses Geräts hat großes Potenzial für ein breites Anwendungsspektrum, von privater Computerbedienung über Medizindiagnostik bis hin zu Computerspielen", erklärt Young-Seok Kim, Doktorand im Virtual Reality Labor der University of Buffalo. Er entwickelte den Fingertip Digitizer unter Thenkurussi Kesavadas, Professor für Raumfahrt- und Computertechnik und Leiter des Labors. Herzstücke des Geräts sind ein Kraftsensor, ein Beschleunigungsmesser und ein Bewegungssensor für die Messung der Positionsveränderungen. Sie setzen in Echtzeit die Bewegungen und den Widerstand beim Berühren in digitale Daten um, aus der die zugehörige Software die Absicht des Benutzers herauslesen soll. Mit entsprechender Umsetzung führen einfache Fingerzeige zum Öffnen von Dateien oder dem Steuern von Figuren im Spiel.

In der Entwicklung ist auch eine Software namens "Touch Painter" und "Touch Canvas", die mit dem Fingertip Digitizer zusammen das freie künstlerische Malen ermöglichen soll. Die Forscher präsentieren ihre Entwicklung auf der internationalen Konferenz für Computergrafik und interaktive Technologie SIGGRAPH 2006, die derzeit in Boston stattfindet.