Treibhaus Erde
Seit Jahrmillionen existiert auf der Erde der Treibhauseffekt. Ohne ihn gäbe es kaum Leben auf diesem Planeten. Doch der Mensch verstärkt ihn durch die Nutzung fossiler Brennstoffe. Dies hat einen globale Erwärmung mit weitreichenden Konsequenzen zur Folge.
Im periodischen Wechsel von Eiszeiten und Warmzeiten waren in der letzten Jahrmillion die klimatischen Bedingungen auf der Erde reichlich unstet und flatterhaft. Erst seit Beginn der heutigen Warmzeit vor 12.000 Jahren ist das Klima im Treibhaus Erde nicht nur angenehm warm, sondern weist auch noch außergewöhnlich wenig Temperaturschwankungen auf. Dies erst ermöglichte es dem Menschen, sesshaft zu werden und sich mittels Ackerbau und Viehzucht ausreichend Nahrung verfügbar zu machen. Dabei ist in letzter Zeit der Mensch offensichtlich übermütig geworden: Durch allzu reichliche Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas heizt er das Treibhaus Erde weiter auf, verändert dadurch das Klima und damit die Lebensbedingungen auf der Erde. Er stellt so das Überleben der Spezies Mensch in allzu großer Zahl in Frage.
Das „Treibhaus Erde“ wird von der Sonne geheizt. Dabei ist die Energiebilanz zwischen Energieeinstrahlung von der Sonne auf die Erde und der Energieabstrahlung von der Erde in den Weltraum ausgeglichen. Von den 100 Prozent des von der Sonne auf die Erde eingestrahlten Lichts werden insgesamt etwa 70 Prozent absorbiert – davon 20 Prozent in der Atmosphäre und 50 Prozent am Erdboden. In Wärme umgewandelt entspricht das einer Heizleistung im Treibhaus Erde im globalen und jahreszeitlichen Mittel über die ganze Erdkugel von 236 Watt pro Quadratmeter (W/m²). Im Vergleich sind sowohl die aus dem Erdinneren und aus der Erdkruste an die Erdoberfläche ständig strömende Heizleistung von 0,06 W/m² als auch die durch Verbrennung von weltweit derzeit (Stand 2000) jährlich 3,7 Milliarden Tonnen (Mrd. t) Kohle, 3,7 Mrd. t Erdöl und 2,1 Mrd. t Erdgas direkt verursachte Heizleistung von im globalen Mittel 0,03 W/m² vernachlässigbar gering.
Wären diese 236 W/m² Heizleistung durch Sonnenlicht die einzige Heizquelle der Erdoberfläche, so würde sich dadurch – gemäß dem Strahlungsgesetz von Stefan und Boltzmann, welches die Wärmeabstrahlung eines warmen Körpers mit dessen Temperatur korreliert – eine Temperatur auf der Erdoberfläche im globalen und jahreszeitlichen Mittel von minus 18 Grad Celsius einstellen. Die tatsächliche Temperatur auf der Erdoberfläche beträgt aber im globalen jahreszeitlichen Mittel etwa plus 15 Grad Celsius. Diesen Temperaturhub von minus 18 auf plus 15 Grad Celsius verdanken wir dem natürlichen Treibhauseffekt.
Die Rolle der wärmestauenden Glasfenster spielen hier einige Spurengase in der Atmosphäre, vornehmlich Kohlendioxid. Mit einem Anteil am Luftvolumen von 0,28 Promille vor Beginn der Industrialisierung ist dieses Gas für Dreiviertel des Treibhauseffekts verantwortlich. Methan und weitere Spurengase schlagen mit knapp einem Viertel der primären Infrarot-Zusatzheizung zu Buche. Dieser Anteil wird sekundär noch um gut das Doppelte verstärkt durch Wasserdampf, gemäß der mit steigender Temperatur stark steigenden Verdunstung von Wasser. Diese natürliche Zusatzheizung im „Treibhaus Erde“ durch Wärmerückstrahlung aus der Atmosphäre ist mit ihrem Gesamtwert – einer Energiemenge in Höhe von etwa 95 Prozent der Sonnenlichteinstrahlung auf die Erde entsprechend – also sogar etwas höher als die direkte Heizung durch absorbiertes Sonnenlicht.
Die an der Erdoberfläche durch Absorption von eingestrahltem Sonnenlicht und von aus der Atmosphäre zurückgestrahlter Wärmestrahlung aufgenommene Energie wird zum größten Teil von etwa 80 Prozent durch Wärmeabstrahlung von der Erdoberfläche und zum verbleibenden kleinen Teil mittels latenter und direkter Wärmeflüsse in Form von aufsteigendem Wasserdampf und von warmer Luft nach oben abgeführt. Die Wärmeabstrahlung von der warmen Erdoberfläche – insgesamt 390 W/m² aus Sonnenlichteinstrahlung und Infrarotheizung aus der Atmosphäre statt nur 236 W/m² allein durch absorbiertes Sonnenlicht – entspricht gemäß dem Stefan-Boltzmann-Gesetz einer lebensförderlichen Temperatur in Bodennähe im globalen und jahreszeitlichen Mittel von plus 15 Grad Celsius. Das entspricht dem gemessenen Werten.
Wärmegetriebene Kreisläufe
Vom eingestrahlten Sonnenlicht und von der darauf fußenden Wärme auf der Erde werden die natürlichen Kreisläufe mit beträchtlichem Energieaufwand getrieben. Der Wasserkreislauf zwischen Verdunstung, Niederschlägen und Wasserablauf zu Land benötigt allein zur Verdunstung Wärme in Höhe von etwa 20 Prozent der eingestrahlten Sonnenenergie.
In den Windströmungen steckt Bewegungsenergie in Höhe von etwa zwei Prozent der eingestrahlten Sonnenenergie. Und der über das Jahr ausgeglichene Kohlenstoff-Kreislauf zwischen Neubildung, Absterben und Zerfall von biologischer Materie beruht auf der ständigen Photosynthese pflanzlicher Materie mittels des aus der Luft von Pflanzen aufgenommenen Kohlendioxids und des aus dem Boden aufgenommenen Wassers mit einem Aufwand an Licht in Höhe von knapp einem Prozent des eingestrahlten Sonnenlichts. Dabei ist über das Jahr auch der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre ausgeglichen zwischen Entnahme für Photosynthese und Freisetzung durch Atmung und durch Zerfall abgestorbener biologischer Materie, von jeweils etwa einem Sechstel des mittleren Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre.
Nutzung fossiler Brennstoffe
Seit Beginn der Industrialisierung vor gut 200 Jahren nutzt der Mensch als zusätzliche Energiequellen die fossilen Brennstoffe. Dies geschieht in immer schneller steigendem Umfang, zuerst nur Kohle, seit gut 100 Jahren zusätzlich Erdöl und seit gut 50 Jahren Erdgas. Bei deren Verbrennung wird Kohlendioxid in die Luft abgegeben, wovon – naturgesetzlich wohl verstanden – etwa die Hälfte auf Dauer in der Atmosphäre verbleibt. Die andere Hälfte wird größtenteils vom Meerwasser absorbiert. Dadurch ist der Gehalt der Atmosphäre an Kohlendioxid von ursprünglich 0,28 Promille (vor Beginn der Industrialisierung) auf derzeit schon 0,38 Promille gestiegen. Hauptsächlich dadurch wurde die Heizung im Treibhaus Erde einschließlich der entsprechenden Verstärkung durch Wasserdampf in der Luft bislang um insgesamt etwa vier W/m² erhöht,. Das bewirkt bisher einen Anstieg der mittleren Temperatur auf der Erde um knapp ein Grad.
Bei einem weiteren Anstieg der Konzentration wärmestrahlungsrelevanter Spurengase in der Atmosphäre, hier dominant Kohlendioxid aus der weiteren Verbrennung fossiler Brennstoffe würde im Verlauf dieses Jahrhunderts die mittlere Temperatur auf der Erde um einige weitere Grad ansteigen. Bei der derzeitigen Verbrennung geht der aktuelle Klimareport von einem unvermeidbaren Temperaturanstieg von zwei Grad bis zum Ende des 21. Jahrhunderts aus.
