Plastik-Rohstoff aus Abfackel-Gasen

Deutsche Forscher entwickeln neuen Katalysator

München - So knapp und teuer Energie heute sein mag, werden jährlich noch immer Milliarden Kubikmeter Erdgas und Methan bei der Erdölförderung und in Raffinerien abgefackelt. Seit Jahren fordern Experten Maßnahmen gegen diese Verschwendung von Rohstoffen. Eine Lösung fanden nun deutsche Forscher, die einen neuen, effektiven Katalysator entwickelt haben. Wie sie im "Journal of the American Chemical Society" schreiben, kann dieser Methangase zu einem wichtigen Rohstoff für die Kunststoffproduktion umwandeln helfen.

"Der Katalysator zeigte sich ohne eine messbare Deaktivierung auch nach drei Testwochen noch stabil", berichten Johannes Lercher und seine Kollegen von der Technischen Universität München. Der Kat basiert auf dem Metall Lanthan und unterstützt die Reaktion von Methangas zu Methylchlorid. Dieses farblose, schwach süßlich riechende Gas wird in der organischen Chemie und bei der Silikonherstellung genutzt und bisher meistens aus dem Alkohol Methanol hergestellt. Für die Katalysereaktion muss dem Methangas Sauerstoff und Chlorwasserstoff zugeführt werden.

Die Wissenschaftler sehen mit diesem Werkstoff eine Möglichkeit dafür, dass Ölfirmen den Rohstoff Methylchlorid quasi als Beiprodukt wirtschaftlich produzieren könnten. Diese sinnvolle Nutzung von Abfackelgasen kann nicht nur Energie und Rohstoffe sparen. Es entfällt auch die Belastung des Klimas durch den Kohlendioxidausstoß bei der Verbrennung oder der direkten Freisetzung des extrem klimaschädlichen Methangases.