Fließendes Glas: Forscher entdecken neue Materialklasse

Normales Glas aus Silikat-Schmelzen erstarrt zu einer festen, durchsichtigen Substanz. Entgegen vieler Vermutungen ist Glas aber keine Flüssigkeit, die sich mit der Zeit verformt. Doch dieses Ziel erreichten nun amerikanische Forscher mit einer Schmelze aus Zucker und Öl.

Cincinnati (USA) - Es entstand ein fließender, glasartiger Werkstoff, der flüssige und feste Eigenschaften in sich vereint. Über diese Entdeckung berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature Materials".

"Die einzigartige Kombination aus festen und flüssigen Eigenschaften könnte zu Anwendungen in Sensoren und optischen Geräten führen", schreiben Carlos Co und seine Kollegen von der University of Cincinnati. Sie heizten ein Gemisch aus Zucker in einem Limonen-Öl auf. Dazu gaben sie Sucroseoleat und Sucrosecaprylat als oberflächenaktive Substanzen. Es bildete sich über einen Prozess der Selbstorganisation eine klare Emulsion, die bei Raumtemperatur erstarrt. Da dieser neue Werkstoff etwas 50 Prozent Öl enthält, ist er weder fest noch flüssig, sondern kann mit einem weichen Gel verglichen werden.

Im Unterschied zu vielen anderen Gelen enthält dieses neue Material kein Wasser und löst sich daher in wässriger Umgebung nicht auf. Durch die Wahl der verwendeten, verzehrbaren Ausgangsstoffe könnte er zudem in der Lebensmittelbranche verwendet werden. Die Wissenschaftler können sich daher vorstellen, aus diesem Werkstoff Sensoren oder flexible Linsensysteme für Produktions- und Kontrollprozesse in der Nahrungsmittel- oder Pharmaindustrie zu bauen. Doch auch für die Synthese von Nanowerkstoffen könnte der Herstellungsprozess geeignet sein, wenn das Limonen-Öl gegen polymerisierbare Moleküle ersetzt wird.