Exzellente Nanostruktur-Technikerin

Julia Semmel für hervorragende Diplomarbeit in der Nanostrukturtechnik ausgezeichnet

Unipräsident und Absolventin
Unipräsident und Absolventin

München/Würzburg - Ein Preis vom Wissenschaftsminister und Gratulation vom Universitätspräsidenten: Über mangelnde Anerkennung kann sich Julia Semmel wahrlich nicht beklagen. Dafür hat die 25-jährige Absolventin der Nanostrukturtechnik aber auch ihr Diplom mit der Bestnote 1,0 abgeschlossen; inzwischen forscht sie im Mikrostrukturlabor am Hubland für ihre Doktorarbeit.

"Ich war in der 11. Klasse in den USA und hatte dort einen unglaublich interessanten Physikkurs", erklärt Julia Semmel die Ursprünge ihrer Begeisterung für die Naturwissenschaften. Wieder zurück im heimischen Hösbach belegte sie deshalb den Leistungskurs Physik - und stieß auch dort auf einen ambitionierten Lehrer. "Da konnte ich mir zum ersten Mal vorstellen, das Fach zu vertiefen", sagt sie. Dass sie sich statt für Physik dann für Nanostrukturtechnik einschrieb, lag an den Erzählungen eines Bekannten, der dieses Fach bereits studierte.

Neun Semester hat Julia Semmel bis zum Diplom gebraucht; in ihrer Abschlussarbeit hat sie sich mit der Herstellung und der Charakterisierung eines so genannten Quanten-Kaskaden-Lasers auf Indium-Phosphit-Basis beschäftigt. Diese nur wenige Millimeter großen Strukturen senden Licht im mittleren Infrarotbereich aus; sie können bei der Analyse von Spurengasen zum Einsatz kommen oder zur Datenübertragung oder - aber das ist noch Zukunftsmusik - in der medizinischen Bildgebung. Auf alle Fälle arbeitet Julia Semmel schon jetzt daran, ihren Laser zu verbessern - im Rahmen ihrer Doktorarbeit, die sie am Lehrstuhl für Technische Physik bei Professor Alfred Forchel schreibt.

Damit hat sie in den Augen von Wissenschaftsminister Thomas Goppel "Vorbildcharakter" und eine Auszeichnung verdient: "Kein Land kann es sich leisten, auf die Kreativität von Frauen in einem Berufsfeld zu verzichten. Wir brauchen das Potential an technisch begabten und interessierten jungen Frauen", so Goppel bei der Feier in München. Alljährlich vergibt der Minister Preise an die besten Absolventinnen der Ingenieurwissenschaften an Bayerns Hochschulen - fünf waren es in diesem Jahr. Damit verbunden ist ein Preisgeld in Höhe von jeweils 2000 Euro. Schließlich sei die Erhöhung des Frauenanteils bei den Ingenieurwissenschaften "wichtige gemeinsame Zukunftsaufgabe von Politik und Hochschulen", sagte Goppel.

Auch Unipräsident Axel Haase, selbst Physiker, hegt den Wunsch, mehr Frauen in technische Studiengänge zu locken. Erfreut zeigte sich Haase deshalb darüber, dass es Julia Semmel als Absolventin des zweiten Jahrgangs in dem noch jungen Studiengang Nanostrukturtechnik geschafft hat, "den Preis nach Würzburg zu holen", und wünschte der jungen Frau für ihren weiteren Berufsweg viel Erfolg.

Und wo wird dieser Weg sie hinführen? Eine akademische Karriere plant Julia Semmel nicht: "Das ist nicht mein Ding", sagt sie. Dass sie, trotz hervorragender Aussichten, nicht gleich nach dem Diplom in die Industrie gewechselt ist, habe zwei ganz pragmatische Gründe: Während ihrer Promotion könne sie noch unheimlich viel lernen, in einem "tollen Labor mit einer tollen Ausrüstung wie es sonst nur wenige gibt", sagt sie. Und der zweite Grund? "Es schadet nichts, wenn man als Frau einen Doktortitel vorweisen kann." Denn allzu häufig würden Frauen in ihrem Fachgebiet von Männern im ersten Moment nicht gleich ernst genommen. "Da hilft es, wenn man Schwarz auf Weiß zeigen kann, dass man gut ist".