Das Geheimnis einer Stradivari: Besserer Geigenklang durch Chemiebäder

In die Millionen reichen die Gebote, sollte mal eine echte Stradivari auf einer Auktion unter den Hammer kommen. Virtuosen schätzen die rund 300 Jahre alten Instrumente wegen ihres noch heute unerreichten Klanges. Materialforscher gehen diesem Geheimnis nun auf den Grund.

College Station (USA) - Ein spezielles Chemiebad für das verwendete Ahornholz könnte die Ursache für die Einzigartigkeit der Violinen und Celli aus der Hand des italienischen Meisters sein. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Chemiker, die kleine Holzsplitter von antiken Instrumenten, die bei der Restauration anfielen, untersuchten.

"Die beobachteten Unterschiede gründen wahrscheinlich auf regionalen Praktiken zur Vorbereitung der Hölzer", schreiben Joseph Nagyvary von der Texas A&M University und seine Kollegen. Diese hätten einen Einfluss auf die mechanischen und akustischen Eigenschaften der Geigen. Insgesamt analysierten die Wissenschaftler Holzproben von fünf antiken Instrumenten berühmter Geigenbauer aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Mit Infrarotspektroskopie und Kernspin-Methoden bestimmten sie den Anteil spezieller Substanzen in den Splittern. Beim Vergleich mit modernen Geigenhölzern zeigten sich deutlich Unterscheide beim Ligningehalt und bei weiteren Kohlenstoffverbindungen. "Natürliche Alterung kann nicht für diese Unterschiede verantwortlich sein", erklären die Forscher.

Diese Ergebnisse zeigen, dass eine chemische Vorbehandlung der Hölzer, beispielsweise die Oxidation und die Hydrolyse, einen bedeutenden Einfluss auf die Klangeigenschaften hat. Mit dieser Erkenntnis könnten heute Geigenbauer ihre Methoden anpassen, um sich vielleicht dem bisher unerreichten Klang einer Stradivari mit modernen Instrumenten annähern zu können. "Unsere Studie könnte zu einem mehr Chemie-basierten Ansatz für den Geigenbau führen", so Nagyvary. Schon heute nutzt Nagyvary seine Erkenntnisse, um moderne Geigen möglichst mit den antiken Klangeigenschaften zu bauen.

Historiker schätzen, dass Antonio Stradivari während seines Lebens etwa 1100 Streichinstrumente gebaut hat, heute sind davon noch etwa 650 erhalten. Nach einer weiteren Theorie liege der Grund für das Klanggeheimnis einer Stradivari in den besonderen klimatischen Verhältnisse in Europa während der so genannten "Kleinen Eiszeit" (16.-18.Jh.). Diese Kältephase soll zu Holzqualitäten geführt haben, die heute nicht mehr verfügbar sind. Die relativ niedrigen Durchschnittstemperaturen in dieser Epoche führten nachweislich zu verändertem Holzwachstum mit engeren Jahresringen und schwächeren Zellwänden, was sich auf den Klang des Instrumentes günstig ausgewirkt haben soll.