Sandsturm – Habub genannt – in Hombori im Saharastaat Mali. Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde wird Sand fast 1000 Meter hoch aufgewirbelt.

Klimawandel bremst Sandstürme aus

500 Millionen Tonnen Staub aus der Sahara gelangen jedes Jahr mit Westwinden bis in den Regenwald Amazoniens. Doch dieser Düngerstrom, reich an Nährstoffen wie Eisenoxid und Phosphaten, könnte mit fortschreitendem Klimawandel teilweise versiegen. Zu diesem Ergebnis kommen Klimaforscher, die die Stärke von Sandstürmen in der Sahara bis ins 19. Jahrhundert analysierten und deren deutliche Abschwächung für die kommenden Jahrzehnte prognostizierten. Ihre Ergebnisse, mit denen sich Klimamodelle um den Faktor Saharastaub ergänzen ließen, präsentieren sie in der Fachzeitschrift „Nature“.

„Für unsere Analyse betrachteten wir die Windgeschwindigkeiten an einem der staubigsten Orte der Welt“, sagt Amato Evan von der University of California San Diego in La Jolla. Denn je stärker der Wind in einer Wüste weht, desto mehr Staub wird aufgewirbelt und kann bis in höhere Atmosphärenschichten gelangen. Um nun eine Historie der Saharawinde zu erstellen, griffen Evan und seine Kollegen vom Laboratoire Atmosphères der Université Pierre et Marie Curie in Paris auf Satellitendaten zurück, die bis in die 1980er Jahre zurückreichten. Für den Zeitraum bis in die 1950er Jahre nutzten sie Staubmessungen, die regelmäßig auf den Kapverdischen Inseln durchgeführt wurden. Die Entwicklung der Saharawinde bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts schließlich konnte mit Hilfe verfügbarer Klimaanalysen vom Earth System Research Laboratory der amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA rekonstruiert werden.

Diese Datensätze gekoppelt mit den verschiedenen Geländeformen der Sahara legten die Grundlage für einen Blick in die Zukunft. Dabei zeigte sich, dass mit fortschreitender Erderwärmung die Stärke der Saharawinde nachlassen werde. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts werde dadurch immer weniger Staub aufgewirbelt und in die Atmosphäre gelangen. Zeiten starker Sandstürme in der Sahara wie in den 1940er oder 1980er Jahren könnten damit der Vergangenheit angehören.

Evan und Kollegen schätzten auch die Folgen nachlassender Sandstürme ab – regional und global. In Afrika selbst könnte sich die Luftqualität wegen weniger wirbelnder Staubpartikel verbessern. Dagegen schwäche sich der durch Westwinde angetriebene Staubtransport Richtung Südamerika ab. Da Staub in höheren Atmosphärenschichten auch Sonnenstrahlung reflektiert und einen kühlenden Effekt haben kann, könnte das Oberflächenwasser des Atlantiks stärker erwärmt werden als bisher angenommen. „Es ist plausibel, dass die aktuellen Temperatur-Projektionen für die tropischen Atlantikregionen zu konservativ sind“, sagt Evan. Heftiger tobende Hurrikanen wären die Folge.

Diese Studie ist die erste, die eine Verbindungen zwischen der vom Menschen verursachte Erderwärmung und den Staubtransport in die Atmosphäre knüpft. So legt sie eine Basis, um Klimamodelle für die kommenden Jahrzehnte weiter verfeinern zu können. Einen positiven Effekt der nachlassenden Sandstürme in der Sahara konnten Evan und Kollegen allerdings auch ausmachen: In der oft von Dürre geplagten Sahelzone südlich der Sahara sei mit einer Zunahme der Niederschläge zu rechnen.