Aktuelle Radarmessungen von Niederschlägen per Satellit

Schwächere Winde durch mehr Regen

Boulder (USA)/New York (USA) – Mit fortschreitender Erderwärmung erwarten Klimaforscher eine Zunahme der Niederschläge. Diese könnten dazu führen, dass sich die Winde ein wenig abschwächen. Zu diesem Ergebnis kommen amerikanische Wissenschaftler, die den Einfluss fallender Tropfen auf die Energiebilanz der Atmosphäre berechnet haben. In der Zeitschrift „Science“ stellen sie die komplexe Wechselwirkung vor, die zur Verfeinerung von Klimamodellen führen könnte.

Olivier Pauluis von der New York University und Juliana Dias vom Earth System Research Laboratory in Boulder machen die Reibung der Wassertropfen an der sie umgebenden Luft für den Energieentzug verantwortlich. Dabei geht die Bewegungsenergie der Tropfen in diffus verteilte Wärme in Form von Bewegungen einzelner Moleküle über. Pro Quadratmeter summiert sich dieser Effekt auf durchschnittlich 1,8 Watt. Das erscheint zwar als ein relativ kleiner Wert, doch extrapoliert auf große Flächen könnte sich diese Energieumwandlung nach Aussage der Forscher schwächend auf die mittleren Windgeschwindigkeiten auswirken.

Die Basis für diese Berechnungen lieferten Radarmessungen, die per Satellit die Niederschläge in tropischen Regionen zwischen dem 30. Grad südlicher und dem 30. Grad nördlicher Breite aufgezeichnet hatten. In das Modell gingen dabei Fallhöhe und Endgeschwindigkeit der Tropfen ein. Da sich Tropfen mit zunehmender Erderwärmung tendenziell in immer höheren Bereichen der Atmosphäre bilden, könnte sich deren Fallstrecke verlängern und damit auch die Energieumwandlung durch Reibung vergrößern.

Pauluis und Dias schätzten ab, dass dieser Effekt der Niederschläge in der gleichen Größenordnung liegt wie der Einfluss turbulenter Luftströmungen. Dadurch seien Auswirkungen auf die atmosphärische Zirkulation, die die Dynamik des Wetters rund um die Erde beeinflusst, nicht auszuschließen. Mit schwächeren Wirbelstürmen rechnen die Forscher allerdings nicht, da diese ihre Energie im Wesentlichen aus warmen Wasserschichten der Ozeane beziehen. Ebenso müssten Betreiber von Windrädern kaum mit messbaren Einbußen durch abgeschwächte Winde befürchten.