Künstlerische Darstellung der Oberfläche von Titan mit Bergen und einem Methansee

Saturnmond Titan: Energie-Bilanz im Gleichgewicht

Houston (USA) – Titan, der größte Mond des Planeten Saturn, besitzt eine ausgeglichene Energiebilanz. Er strahlt ebenso viel Energie als infrarote Wärmestrahlung ab, wie ihm durch die Sonnenstrahlung zufließt. Das zeigen Messungen aus den Jahren 2004 bis 2010, die Forscher im Fachblatt „Geophysical Research Letters“ präsentieren. Die genaue Kenntnis der Energiebilanz ist für die Wissenschaftler eine wichtige Grundlage für die Entwicklung von Wetter- und Klimamodellen für einen Himmelskörper.

„Das globale Energiebudget von Planeten und Monden ist ein kritischer Faktor, der die Änderung des Klimas auf diesen Objekten beeinflusst“, schreiben Liming Li von der University of Houston und seine Kollegen. Das Team hat unter anderem Messungen mit einem speziellen Infrarot-Spektrometer an Bord der amerikanischen Raumsonde Cassini ausgewertet. Cassini umkreist seit 2004 den Saturn und fliegt regelmäßig nahe an Titan und anderen Monden des Planeten vorüber.

Titan ist der einzige Mond im Sonnensystem mit einer dichten Atmosphäre – und der einzige Himmelskörper mit einem ähnlichen Flüssigkeitskreislauf wie auf der Erde. Allerdings übernimmt auf Titan aufgrund der niedrigen Temperaturen von im Mittel minus 180 Grad Celsius flüssiges Methan die Rolle von Wasser. Es gibt auf dem Saturnmond Niederschläge, Flussläufe und große Seen. Die Messungen von Li und seinen Kollegen sind ein wichtiges Indiz dafür, dass diese Bedingungen auf Titan nicht nur vorübergehender Natur, sondern langfristig stabil sind.

Nicht alle Himmelskörper im Sonnensystem sind wie Titan und auch die Erde im energetischen Gleichgewicht. So strahlen Jupiter, Saturn und Neptun signifikant mehr Energie ab, als sie von der Sonne empfangen. Diese Himmelskörper müssen also eine innere Energiequelle besitzen. Eine mögliche Erklärung für den Energieüberschuss wäre ein langsames Schrumpfen dieser Planeten. So könnte beispielsweise eine jährliche Schrumpfung um drei Zentimeter die zusätzlich abgestrahlte Energie Jupiters liefern.