Tundra-Brände zerstören riesige Kohlenstoff-Speicher

Forscher fürchten häufigere Großfeuer mit großen Auswirkungen auf das Erdklima

Brennende Tundra in Alaska
Brennende Tundra in Alaska

Fairbanks (USA) - In Alaska vernichtete im Spätsommer 2007 ein Großfeuer über 1000 Quadratkilometer Tundra-Landschaft. Bei dieser selbst aus dem Weltraum sichtbaren Katastrophe gelangten etwa 2,1 Millionen Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre. Dabei ging nach einer Studie amerikanischer Wissenschaftler ein wichtiger Speicher für Treibhausgase verloren. Der bei diesem Brand freigesetzte Kohlenstoff entspricht der Kohlendioxidmenge, die die Pflanzen der gesamten arktischen Tundra in einem Jahr aufnehmen können. Solche Großfeuer sind in der kalten und feuchten Landschaft sehr ungewöhnlich und traten in diesen Dimensionen seit etwa 11.000 Jahren nicht auf. Wie die Forscher in der Zeitschrift "Nature" berichten, könnte es in Folge des Klimawandels in Zukunft häufiger zu solchen Großfeuern mit signifikanten Auswirkungen auf das Erdklima kommen.

"Die Frequenz der Tundra-Brände nehmen zu, mit wahrscheinlichen Folgen für die globale Erwärmung", sagt Syndonia Bret-Harte vom Institute of Arctic Biology der Universität Alaska in Fairbanks. Bereits im Juli 2007 begann das Großfeuer während eines Gewitters und hielt wegen des ungewöhnlich trockenen Sommers bis zum September an. Isotopen-Analysen der Brandschwaden zeigten, dass die schwelende Glut im Boden einen Kohlenstoff-Speicher vernichtete, der sich über 50 Jahre langsam gebildet hatte. Zudem verlor die Region mit dem Brand eine isolierende Bodenschicht, die das Abtauen des Permafrostbodens verhindert.

Tundra-Brände könnten daher auf zweifache Weise die Erderwärmung beschleunigen. Einerseits gelangt in den Böden dauerhaft gespeicherter Kohlenstoff in die Atmosphäre - andererseits könnte der Permafrostboden abtauen und dabei das klimaschädliche Methangas freisetzen. "Diese Brände könnten radikal und sehr schnell einen Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre verursachen", sagt Michelle Mack von der University of Florida, die an dieser Studie beteiligt war.

Unter den arktischen Bedingungen in Alaska braucht eine Tundra-Landschaft etwa 80 bis 150 Jahre, um sich vollständig von einem Großbrand zu erholen. Käme es laut Forscherin Bret-Harte nun alle zehn Jahre zu einem Tundra-Brand, würde diese für das globale Klima bedeutende Landschaft dauerhaft zerstört werden.