Tiefseeströmungen beeinflussen Regenfälle in Afrika

Kieler Meeresforscher entdecken Zusammenhang zwischen Tiefsee und Landklima in Westafrika

Messonde für die Tiefsee
Messonde für die Tiefsee

Kiel - Tiefe Meereströmungen im Atlantik beeinflussen Klima und Regenfälle in Westafrika. Zu diesem Ergebnis kommen deutsche und amerikanische Meeresforscher, die mit zahlreichen Sonden das Strömungsverhalten im Atlantik entlang des Äquators analysiert haben. So sind Wasserbewegungen in bis zu 3000 Metern Tiefe mit verantwortlich für die Wassertemperatur an der Oberfläche des Atlantiks. Diese wiederum wirkt sich auf Verdunstung und Niederschläge im westlichen Afrika aus. Ihre Studie, die eindrucksvoll den Zusammenhang zwischen Tiefseeströmungen und Landklima belegt, veröffentlichten die Forscher in der Zeitschrift "Nature".

"Wenn wir bisher tropische Klimaschwankungen erklären wollten, haben wir immer nach oben in die Atmosphäre geschaut", sagt Peter Brandt vom Leibniz Institut für Meeresforschung IFM-Geomar in Kiel. Doch die neue Studie zeigt nun, dass auch Meereströmungen in der Tiefsee einen wesentlichen Beitrag zum Klima in angrenzenden Festlandarealen leisten. Von einem Forschungsschiff aus ließen Brandt und Kollegen ein mehrere Kilometer langes Stahlseil, eine sogenannte Muring, bis in die atlantische Tiefsee sinken. Bestückt mit zahlreichen Messsonden, lieferte sie so Messwerte über Tempo und Richtung sowie Salzgehalt und Temperatur von Wasserströmungen in verschiedenen Tiefen. Dabei entdeckten die Forscher bisher unbekannte Fluktuationen in der Wassersäule.

In den vergangenen zehn bis zwanzig Jahre zeigte der tropische Atlantik an seiner Oberfläche einen regelmäßigen Zyklus von etwa 54 Monaten. Während dieser Zeitspanne variierten sowohl das Strömungsverhalten als auch die Oberflächentemperatur mit direkten Auswirkungen auf das Landklima und die Monsunbildung in den Staaten entlang der Nordküste des Golfs von Guinea. Die Ursache dafür entdeckten Brandt und Kollegen in einer bis zu 3000 Meter tiefen Strömung, die sich mit etwa 20 Zentimetern pro Sekunde entlang des Äquators bewegte. Die Energie dieser Strömung werde über die gesamte Wassersäule bis an die Oberfläche übertragen, schreiben die Forscher, und beeinflusse dadurch sowohl die Wassertemperatur als auch die Strömungsstärke in den oberen Wasserschichten.

Sehr gut untersucht sind bisher nur die Auswirkungen pazifischer Meeresströmungen, die während des regelmäßig auftretenden Klimaphänomens El Niño zu regionalen Dürren oder auch starken Niederschlägen in Südamerika führen. Die neue Studie belegt, dass vergleichbare Zusammenhänge zwischen Ozean und Landklima auch in anderen Gebieten der Erde zu beobachten sind.

In diesen Wochen sind die Kieler Meeresforscher abermals an Bord des Forschungsschiffs "Maria S. Merian" in tropischen Gewässern westlich von Afrika unterwegs. Sie erwarten von neuen Messungen einen noch besseren Einblick in die Abläufe der atlantischen Tiefsee, der zu einer genaueren Klimavorhersage für Westafrika führen könnte.