Ruß auf dem Mount Everest

Luftverschmutzung und Rußkonzentration im Eis auf dem Mount Everest haben sich mehr als verdreifacht - Mögliche Ursache für Gletscherschmelze

Eisbohrkern
Eisbohrkern

Villigen (Schweiz)/Potsdam - Die Gletscher im Himalaya schmelzen. Allerdings werden sie nicht bis zum Jahr 2035 verschwunden sein, wie der Weltklimarat IPCC in seinem Bericht von 2007 aufgrund von falschen Daten und einem folgenschweren Zahlendreher gewarnt hatte. Neue und genauere Messungen sind nun nötig, um verlässlicher die Zukunft der Himalaya-Gletscher vorhersagen zu können. Sowohl der Schutt rund um die gigantischen Eiszungen als auch die Luftverschmutzung über dem Dach der Welt mit rußigen Abgasen stehen im Mittelpunkt des Forscherinteresses.

"Bis wann die Himalaya-Gletscher abschmelzen, lässt sich aus heutiger Sicht nicht seriös abschätzen", sagt Margit Schwikowski vom Paul Scherrer Institut im schweizerischen Villigen. Aber schwarzer Ruß könnte eine wichtige Rolle bei diesem Prozess spielen. Daher analysierte Schwikowski zusammen mit amerikanischen und chinesischen Kollegen die Rußkonzentration in Eisproben vom Mount Everest. In der Fachzeitschrift "Geophysical Review Letters" veröffentlichten sie ihr Ergebnis: Zwischen 1975 und 2000 schnellte die Konzentration der schwarzen Partikel auf dreimal so hohe Werte wie zwischen 1860 und 1975. Da mit Ruß verdrecktes Eis deutlich weniger Sonnenlicht reflektiert, gilt diese Verschmutzung als wichtiger Kandidat für die Erklärung einer beschleunigten Gletscherschmelze.

"Die Hauptquellen des Ruß am Everest liegen vermutlich in Indien, Südasien und dem Mittleren Osten", sagt Schwikowski. Die Kohlekraftwerke und den zunehmenden Straßenverkehr in China spricht sie für diese Region von einer Mitschuld weitestgehend frei. Aus China sei der Rußanteil wegen der vorherrschenden Westwinde eher gering. Und zwischen 1990 und 2000 zeigte sich die Rußkonzentration relativ konstant. "Es wird mit der Rußbelastung zumindest nicht schlimmer", so Schwikowski. Unklar bleibt allerdings, wie stark der Ruß eine Gletscherschmelze fördern kann.

"Neben Ruß kann auch Staub das Abschmelzen der Gletscher beschleunigen", weiß Schwikowski. Doch auch hier ist die Datenlage zu dünn, um sichere Vorhersagen für die Zukunft der Gletscher machen zu können. Immerhin lieferte diese Studie, für welche Eisbohrkerne aus etwa 6000 Meter Höhe genutzt wurden, den allerersten Datensatz überhaupt aus dem Himalaya. Flankiert werden solche Analysen durch hochaufgelöste Satellitenaufnahmen. Diese nutzte nun das Team um Dirk Scherler von der Universität Potsdam für eine Bestandsaufnahme der Himalaya-Gletscher. Mit verblüffenden Resultaten.

Die Hälfte aller Gletscher im nordwestlichen Himalaya, der Karakorum-Region, sei laut der in der Zeitschrift "Nature Geoscience" veröffentlichten Studie stabil oder wüchsen sogar. Ursache für diesen Effekt sei die Schuttbedeckung der Eiszungen, die wie ein schützender Mantel wirke. Für andere Regionen in dem höchsten Gebirge der Welt gelte das allerdings nicht. Mehr als zwei Drittel der 286 untersuchten Gletscher schrumpfen mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Metern pro Jahr.

"Insgesamt gibt es nur sehr wenige Daten aus dem Himalaya", sagt Schwikowski. Über beide Ansätze - Analysen von Eisproben und Fernerkundung mit Satelliten - soll die klaffende Datenlücke nach und nach geschlossen werden. Erst dann werden die Glaziologen sicherer das komplexe Zusammenspiel zwischen Eis, Ruß, Schutt, Sonneneinstrahlung, Wind und Erderwärmung beurteilen können. Gerade für die Himalaya-Gletscher werden sie diese Aufgabe sehr gewissenhaft erfüllen wollen, um einen erneuten Fehlalarm wie im letzten Weltklimareport zu vermeiden.