Rasche Flucht vor Klimaerwärmung

Im Durchschnitt wandern Tiere und Pflanzen zwei- bis dreimal schneller als gedacht in kühlere Regionen

Durham (Großbritannien) - Viele Tiere und Pflanzen treten die Flucht vor der globalen Erwärmung an, indem sie sich in kühlere Höhen und Breiten zurückziehen. Dies geschieht viel schneller als vermutet, haben Biologen aus Großbritannien herausgefunden, indem sie die Ergebnisse einer Vielzahl von Studien zu dieser Thematik analysierten. Die Flucht in höhere Gefilde geht etwa doppelt so schnell vonstatten als bisher geschätzt. Das Abwandern in weiter vom Äquator entfernte Breitengrade verläuft tatsächlich sogar etwa dreimal schneller, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Science".

"Diese Veränderungen entsprechen Tieren und Pflanzen, die sich mit etwa 20 Zentimetern pro Stunde vom Äquator entfernen und das jede Stunde jeden Tag des Jahres", erläutert Studienleiter Chris Thomas von der University of York. Dies sei die vergangenen 40 Jahre so gegangen und werde auch mindestens den Rest des Jahrhunderts so weiter gehen. Um sich ein Gesamtbild zu verschaffen, hatten Thomas und seine Kollegen in der vorhandenen Literatur Material zu Veränderungen der Ausbreitung der unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenspezies gesammelt. Diese Daten von mehr als 2000 Arten - darunter neben Pflanzen auch Säuger, Vögel, Reptilien, Insekten und Spinnen - analysierten sie in ihrer Metastudie. Die meisten Informationen stammten dabei aus Europa und Nordamerika. Die Analyse schloss sowohl Bewegungen von Arten ein, die sich zurückzogen, weil es ihnen in niedrigeren Höhen und Breiten zu warm wurde, als auch von solchen, die sich ausbreiten konnten, weil es für sie in höheren Lagen und Breiten nicht länger zu kalt war. Außerdem berücksichtigten die Biologen Spezies, die zwar nicht gewandert waren, deren Zahl sich aber aufgrund von Klimaänderungen verändert hatte.

Zwar änderte sich die räumliche Verbreitung mancher Spezies also gar nicht, insgesamt jedoch waren die Veränderungen gravierender als frühere Schätzungen vermuten ließen: Mit etwa 11 Metern, die die Arten innerhalb eines Jahrzehnts im Schnitt an Höhe gewinnen, ziehen sich Arten etwa doppelt so schnell zurück wie gedacht. Die Flucht Richtung Pole geht mit durchschnittlich knapp 17 Kilometern pro Jahrzehnt etwa dreimal schneller vor sich. Dabei hatten sich Spezies aus Regionen, die sich am stärksten erwärmt hatten, am weitesten bewegt. "Diese Arbeit zeigt: Die globale Erwärmung bringt Arten dazu, sich zu den Polen und in größere Höhen zu bewegen", sagt Thomas' Kollegin I-Ching Chen, die Erstautorin der Studie. "Wir haben erstmals belegt, dass das Ausmaß, in dem sich die Ausbreitung der Arten geändert hat, mit dem Ausmaß zusammenhängt, in dem sich das Klima in dieser Region verändert hat." Die Biologischen Messdaten liefern zudem einen von Klimamessstationen unabhängigen Beleg dafür, dass sich das Klima der Erde ändert.