Polarwirbel über der Arktis erzeugt Rekord-Ozonloch

Wetterphänomen über dem Nordpol sorgt für rasanten Abbau des Spurengases - langfristig wird die Ozon-Konzentration in der Atmosphäre wieder steigen

Ozonloch über der Arktis
Ozonloch über der Arktis

Bremerhaven/Karlsruhe - Über dem Nordpol wächst das Ozonloch - allerdings nur zeitweise. Durch ungewöhnlich tiefe Temperaturen in der Stratosphäre über der Arktis wird Ozon in diesem Jahr besonders stark abgebaut. In den kommenden Jahrzehnten soll sich die Ozonschicht jedoch erholen, da auf der Erde weniger Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) ausgestoßen werden, welche mit dem Spurengas Ozon reagieren und es zersetzen. Welchen Einfluss der Klimawandel auf die Entwicklung hat, ist bisher nicht geklärt.

Über die Größe des Ozonlochs geben die Messungen eines internationalen Netzwerks aus über 30 Ozonsondierungsstationen in der Arktis und Subarktis Auskunft. Auch der europäische Umwelt-Satellit ENVISAT liefert Daten. Die Auswertungen zeigt, dass bereits die Hälfte des Ozons in den entsprechenden Höhenbereichen zerstört wurde. In den nächsten Wochen wird das Ozonloch über der Arktis eine Größe erreicht haben, die bislang noch nie beobachtet wurde.

Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie führen dieses Phänomen auf ein Wetterphänomen zurück, das sonst nur über dem Südpol auftritt: ein stabiler, sehr kalter Luftwirbel, der bis ins Frühjahr angehalten hat. Durch die tiefen Temperaturen entstehen in der der mittleren Atmosphäre - der Stratosphäre - polare stratosphärische Wolken. An den Kristallen finden Prozesse statt, die reaktives Chlor freisetzen, das zuvor in so genannten Reservoirgasen inaktiv gespeichert war. Sobald nach dem Polarwinter die ersten Sonnenstrahlen auf die Luftschichten treffen, setzt die UV-Strahlung die Reaktion von Chlor und Ozon in Gang.

In der starken Abkühlung der Stratosphäre sehen manche Wissenschaftler einen Trend, der mit der Klimaerwärmung zusammenhängen könnte. "Vereinfacht gesagt halten steigende Treibhausgaskonzentrationen die Wärmestrahlung der Erde in tieferen Luftschichten zurück und erwärmen diese. In der darüber gelegenen Stratosphäre gelangt weniger der wärmenden Strahlung, dort kommt es dann zu einer stärkeren Abkühlung", erläutert Markus Rex vom des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung. Die genauen Wechselwirkung zwischen Ozonschicht und Veränderungen des Klimas müssen allerdings noch erforscht werden.

Dass die Gesamtkonzentration von Ozon in der Erdatmosphäre zunimmt, meldete vor Kurzem die World Meteorological Organization. Seit das Montreal-Protokoll der UNO im Jahr 1987 den Ausstoß von FCKW begrenzte, sinkt die Konzentration der schädlichen Vernbindungen in der Stratosphäre langsam ab. Bis Mitte des Jahrhunderts, so die Prognosen, könnte sich das Ozonloch über der Antarktis - und vermutlich auch über der Arktis - deshalb geschlossen haben.