Deutschland übergibt Tsunami-Frühwarnsystem an Indonesien

Daten werden im Warnzentrum vor Ort verarbeitet - Warnung innerhalb von fünf Minuten nach einem Beben möglich

Küste Sumatras
Küste Sumatras

Jakarta (Indonesien) - Sechs Jahre nach der Tsunamikatastrophe vom Dezember 2004 übergibt eine deutsche Delegation heute in Jakarta das deutsch-indonesische Tsunami-Frühwarnsystem für den Indischen Ozean (GITEWS) an Indonesien. Das Warnsystem hat bereits 2008 den Betrieb aufgenommen und ist seitdem ausgebaut und optimiert worden. Seitdem wurden mehr als zehn Tsunami-Ereignisse erfasst und Warnungen ausgegeben. Auch der jüngste Tsunami an der japanischen Küste, obwohl einige Tausend Kilometer entfernt, wurde von dem System registriert.

Die Erdbeben auf dem Grund des Indischen Ozeans entstehen entlang einer Subduktionszone am Meeresboden, dem Sundagraben, der sich bogenförmig von der Nordwestspitze Sumatras bis Flores im Osten Indonesiens erstreckt. Entsteht hier ein Tsunami, laufen die Wellen im Extremfall innerhalb von 20 Minuten an der Küste auf, so dass nur sehr wenig Zeit für eine Frühwarnung bleibt.

Das technische Konzept von GITEWS beruht auf einer Kombination verschiedener Sensoren. Entscheidend ist die schnelle und präzise Erfassung und Auswertung von Erdbeben, unterstützt durch GPS-Satellitennavigationsdaten und Pegel-Messungen. Die neu entwickelte Erdbebenauswertungssoftware wurde mittlerweile in über 40 Ländern installiert. GITEWS warnt maximal fünf Minuten nach einem Beben auf der Basis von Informationen aus den rund 300 Messstationen, die in den letzten sechs Jahren in ganz Indonesien aufgebaut wurden. Dazu gehören Seismometer, GPS-Stationen und Küstenpegel. Die Daten der Sensoren werden über ein Tsunami-Simulationssystem im Warnzentrum in ein Lagebild umgesetzt, das entsprechend gestufte Warnungen für die betroffenen Küstenabschnitte ausgibt.

Das Beben vor der Südküste Sumatras vom 25. Oktober 2010 zeigte allerdings die Grenzen der Tsunami-Frühwarnung auf. Die vorgelagerten Mentawai-Inseln im Sunda-Bogen wurden von dem ausgelösten Tsunami besonders stark getroffen. Etwa zeitgleich mit dem innerhalb von fünf Minuten ausgelösten Tsunami-Alarm liefen hier die ersten Wellen auf, so dass keine Zeit für eine Reaktion blieb und rund 500 Todesfälle zu beklagen waren. Für die weiter vom Beben entfernte Hauptinsel Sumatra mit den größeren Küstenstädten kam die Warnung rechtzeitig etwa 40 Minuten vor Eintreffen der ersten Wellen.

Indonesien will in den nächsten Jahren die Katastrophenschulung der Bevölkerung und die flächendeckende Verbreitung der Warnmeldungen weiter verbessern. Deutsche Experten werden den Betreiber des Warnzentrums, den Meteorologischen, Klimatologischen und Geophysikalischen Dienst Indonesiens, bis 2014 weiter bei der Ausbildung des Fachpersonals unterstützen.

Das Frühwarnsystem wurde direkt nach dem Tsunami 2004 von der Bundesregierung in Auftrag gegeben und von der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, vertreten durch das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ, entwickelt. Die Mittel in Höhe von 55 Millionen Euro stammen zu großen Teilen aus dem Beitrag der Bundesregierung im Rahmen der Flutopferhilfe. Das Projekt wurde als Forschungsvorhaben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und in Zusammenarbeit mit dem indonesischen Wissenschaftsministerium und zuständigen Fachbehörden durchgeführt.