Chaitén-Vulkanausbruch in Chile: Schnellste Eruption seit Jahrzehnten

Flüssiges Magma stieg in nur vier Stunden aus großer Tiefe auf.

Vulkan Chaitén im Süden Chiles
Vulkan Chaitén im Süden Chiles

Santiago (Chile)/Menlo Park (USA) - Ungewöhnlich schnell brach vor gut drei Jahren der Chaitén-Vulkan im Süden Chiles aus. Binnen weniger Stunden stiegen Magmamassen aus fünf Kilometern Tiefe auf und nach dem Ausbruch bildete sich eine 20 Kilometer hohe Rauchwolke. Chilenische und amerikanische Geophysiker suchten und fanden nun den Grund für das erwartete Tempo dieser Eruption. Wie sie in der Zeitschrift "Nature" berichten, strömte besonders zähflüssiges, sogenanntes rhyolitisches Magma durch bereits vorher existierende Gänge im Gestein rasch zur Oberfläche. In Folge des Ausbruchs wurde die benachbarte Hafenstadt Chaitén von Geröll und Lavamassen überschwemmt. Da Wissenschaftler weitere Ausbrüche des Vulkans nicht ausschließen können, wird die Stadt nun zehn Kilometer weiter nördlich neu aufgebaut.

"Rhyolite bilden die zäheste Form flüssigen Magmas", erklären Charles Wicks vom US Geological Survey und seine Kollegen von der Universität in Santiago de Chile. Daher sei es sehr überraschend gewesen, dass der Chaitén nur zwei Tage nach ersten vulkanischen Beben bereits ausbrach. Mit Radarmessungen von einem japanischen Satelliten aus untersuchten die Forscher die Bodenbewegungen in der Region. Gekoppelt mit weiteren verfügbaren Daten kamen sie zu dem Schluss, dass die zähe Magmamasse nur vier Stunden brauchte, um aus fünf Kilometer Tiefe zur Oberfläche zu gelangen. Das war nach Aussage der Forscher nur möglich, da bereits vor dem Ausbruch weite Öffnungen im Tiefengestein existierten. Durch diese Gänge konnte das unter Hochdruck stehende Magma nahezu ungehindert aufsteigen.

Diese Analyse zeigt, dass Vulkanausbrüche auch weiterhin unberechenbar bleiben. Denn wegen der Zähflüssigkeit des Magmas erwarteten Geophysiker in der chilenischen Region eher langsame Ausbrüche, die sich über Tage bis Wochen hinweg durch vulkanische Erdbeben ankündigen. Chile selbst gehört zu den Weltregionen mit sehr vielen aktiven Vulkanen. Die Ursache dafür liegt in der Kollision zweier Erdplatten. So taucht der Pazifikboden unter den südamerikanischen Kontinent in einer Subduktionszone ab. In der Tiefe schmilzt das Gestein auf und sorgt so für Nachschub für die gigantischen Magmakammern.