Wie stark schadet auftauender Permafrostboden dem Klima?

Europäische Forscher erstellen ersten Atlas über die Böden der nördlichen Hemisphäre

Böden der nördlichen Hemisphäre
Böden der nördlichen Hemisphäre

Brüssel (Belgien) - Nicht nur das Eis der Arktis, sondern auch die Permafrostböden von Sibirien bis Kanada tauen durch die globale Erwärmung auf. Um die Folgen dieses Wandels besser analysieren zu können, erstellten europäische Wissenschaftler nun eine einzigartige Datensammlung: den ersten Bodenatlas der nördlichen Hemisphäre. Unter der Federführung des "Joint Research Centre", einem Verbund von sieben Forschungsinstituten der europäischen Kommission, sammelten die Bodenexperten drei Jahre lang die verfügbaren Informationen, die mit Satellitenaufnahmen oder auf Expeditionen gewonnen wurden.

"Dieser Atlas ist eine einzigartige Informationsquelle für Forscher, Politiker, Lehrer und die breite Öffentlichkeit", sagte Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn. Besonderes Interesse könnten Klimamodellierer an der Datensammlung haben. Denn die Landmassen nördlich des 50. Breitengrades speichern heute noch schätzungsweise 1700 Milliarden Tonnen Kohlenstoff und große Methanmengen. Durch das fortschreitende Auftauen der Permafrostböden gelangt ein Teil davon in die Atmosphäre und beschleunigt die Erderwärmung. Als Kohlenstoffspeicher spielen die gefrorenen Böden heute noch eine bedeutende Rolle, da sie pro Hektar etwa zwei bis dreimal so viel Kohlenstoff binden wie die üppige Vegetation der tropischen Regenwälder.

"Der Permafrostboden taut nicht so langsam auf, wie bisher angenommen", sagt Gabriele Broll, die als Bodenkundlerin an der Universität Osnabrück maßgeblich zu dem Projekt beigetragen hat. Die gefürchtete, negative Rückkopplung sei bereits zu beobachten und aus den Permafrostböden freigesetzter Kohlenstoff beschleunige die Erderwärmung.

Heute reicht der Permafrost je nach Region noch einige Meter bis zu einigen hundert Metern in die Tiefe. Doch das beschleunigte Auftauen hat nicht nur Auswirkungen auf das Erdklima, sondern auch auf Infrastruktur und Bewohner der nördlichen Regionen. Denn ohne stabilisierendes Eis verliert der Boden seine Stabilität und Häuser kippen ab. Öl- und Gaspipelines stehen nicht mehr auf festem Grund und drohen durch das Aufweichen der Böden zu brechen. Diese Risiken lassen sich nun mit Hilfe des neuen Bodenatlas, den alle Interessierte - vom Schüler bis zum Wissenschaftler - anfordern können, besser abschätzen. In den kommenden Jahren sollen weitere Bodenatlanten für Afrika und Südamerika folgen.