Wie Gletscher kalben

Verlieren die mächtigen Eisschichten an der Küste den Bodenkontakt, können sehr viel größere Eisberge entstehen

Gletscherkalben
Gletscherkalben

San Diego (USA) - Mit der Erderwärmung schrumpfen die riesigen Eismassen auf Grönland und in der Antarktis und lassen den Meeresspiegel ansteigen. Kalbende Gletscher zeichnen für etwa die Hälfte dieses Eisverlustes verantwortlich. Daher haben amerikanische Glaziologen genauer untersucht, wie Eisberge durch das Gletscherkalben entstehen. In der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" berichten sie, wieso am Columbia Gletscher in Alaska zunehmend größere Eismassen abbrechen.

"Wenn Tidengletscher abschmelzen, werden sie dünner und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf dem Wasser treiben", sagt der Schweizer Fabian Walter, der derzeit an der Scripps Institution of Oceanography der University of California in San Diego arbeitet. Diesen Prozess beobachteten die Glaziologen am Columbia Gletscher in Alaska, der in den vergangenen sechs Jahren um etwa vier Kilometer schrumpfte. Noch 2005 waren die Eismassen des Gletschers so mächtig und schwer, dass sie an der Küste bis auf den Meeresboden reichten. Diese Gletschern mit Bodenkontakt kalben zwar kontinuierlich, doch nur kleinere Eisberge können sich vom Ufer lösen.

In den Jahren 2008 und 2009 dagegen drifteten immer größere Eisberge zu nicht vorhersagbaren Zeitpunkten von der Abbruchkante in den Nordpazifik. Die Ursache: Der Columbia Tidengletscher wurde zunehmend dünner und verlor den Kontakt zum Meeresboden. Die Eismassen an der Spitze des Gletschers schwimmen seitdem auf dem Meer. Mit dieser genauen Analyse dieser beiden Prozesse des Gletscherkalbens hoffen die Forscher, die Folgen der Erderwärmung und den erwarteten Anstieg des Meeresspiegels besser abschätzen zu können.