Sahara-Staub düngt Regenwald im Amazonas

Stürme in der Bodélé-Niederung im Tschad transportieren Millionen Tonnen an Nährstoffen in die Atmosphäre

Sandsturm in  der Sahara
Sandsturm in der Sahara

London (Großbritannien) - An etwa hundert Tagen im Jahr toben Sandstürme über der trockenen Bodélé-Niederung am südlichen Rand der Sahara. Dieses Wüstengebiet im Tschad mit seinen rasant wandernden Sicheldünen gilt als größte natürliche Staubquelle der Welt. Mit den Stürmen gelangen wichtige Nährstoffe wie Eisen und Phosphor in die Atmosphäre und wirken als bedeutende Düngerlieferanten für Westafrika, die Kapverdischen Inseln und auch die Plankton-Vorkommen im Atlantik. Wie britische Forscher nun in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" berichten, gelangen die Nährstoffe sogar bis nach Südamerika und düngen die Regenwälder in Amazonien.

"Die Bodélé-Niederung könnte ein wichtigerer Nährstofflieferant sein als bisher vermutet wurde", schreiben Charlie S. Bristow und seine Kollegen vom Department of Earth and Planetary Sciences der University of London. Sie analysierten die chemische Zusammensetzung von 28 Staubproben aus dem 24.000 Quadratkilometer großen Wüstenareal und fanden hohe Konzentrationen an Eisen- und Phosphorverbindungen. Mit Satellitenaufnahmen verfolgten sie die Ausbreitung der Staubmassen über den Atlantik, die innerhalb von zehn Tagen die Amazonas-Region erreichten. Nach ihren neuen Abschätzungen gelangen so jedes Jahr 500 Millionen Tonnen Staub über die Atmosphäre bis nach Amazonien.

Die Saharastürme liefern damit mehr als die Hälfte der Nährstoffe, die die tropischen Pflanzen im Amazonas-Gebiet für ihr Wachstum benötigen. Ohne diese Millionen Tonnen an Phosphaten, Sulfaten und Eisenoxiden wäre die Vegetation im größten Regenwald der Welt offensichtlich weniger üppig. Damit liefert diese neue Studie wichtige Hinweise für den biogeochemischen Zyklus in der Erdatmosphäre und unterstreicht die große Bedeutung, die die lebensfeindlichen Sahara für Amazonas-Regenwald als "Lunge des Planeten" spielt.