Ökosysteme speichern weniger Kohlendioxid bei Dürre

Ein internationales Forscherteam hat neue Daten erhoben, um den Einfluss der Ökosysteme auf den Klimawandel besser voraussagen zu können

Messturm
Messturm

Jena - An 60 über die ganze Erde verteilten Stationen haben Forscher gemessen, wie die Atmung von Ökosystemen auf kurzfristige Temperaturschwankungen reagiert. Neben Tieren und Menschen atmen auch Pflanzen teilweise Sauerstoff. Dabei verbrennen sie Kohlenstoffverbindungen, die sie zuvor in der Fotosynthese aufgebaut haben, und betreiben damit ihren Zellstoffwechsel. Beide Vorgänge laufen parallel ab, tagsüber wird mehr Sauerstoff produziert als verbraucht, nachts weniger.

Bisherige Berechnungen ergaben, dass die Atmung von Ökosystemen bei höheren Temperaturen um das drei- bis vierfache zunehmen kann. Die Ergebnisse der Forscher zeigten jedoch, dass sich die Atmung nicht einmal verdoppelt, wenn die Temperatur innerhalb einer Woche um zehn Grad steigt. "Besonders alarmistische Szenarien für die Rückkopplung von Erderwärmung und Ökosystematmung erweisen sich damit als unrealistisch.", sagt Markus Reichstein vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena.

Die Messungen widerlegen auch eine andere Annahme, wonach die Atmung der Ökosysteme in den Tropen und mittleren Breiten weniger stark von der Temperatur beeinflusst wird als in höheren Breiten. Wie die Wissenschaftler nun festgestellt haben, intensiviert sich die Atmung sehr unterschiedlicher Ökosysteme in gleichem Maß, wenn es wärmer wird. Der Faktor, der die Beschleunigung der Atmung erfasst, hängt demnach offenbar nicht von den lokalen Temperaturbedingungen und den spezifischen Eigenschaften eines Ökosystems ab.

Wenn es darum geht, wie viel Fotosynthese Pflanzen betreiben, ist vor allem der Faktor Wasser entscheidend: Auf 40 Prozent der bewachsenen Erdoberfläche betreiben Pflanzen mehr Fotosynthese, wenn das Wasserangebot wächst, und weniger, wenn Dürre herrscht. In gemäßigten Gras- und Buschlandschaften hängt die Menge an Kohlendioxid, die Pflanzen als Zucker binden, zu 69 Prozent von ihrer Wasserversorgung ab, im tropischen Regenwald nur zu 29 Prozent. "Auch hier müssen wir also die Vorhersagen mancher Klimamodelle kritisch überprüfen, denen zufolge zum Beispiel der Amazonas wegen zunehmender Trockenheit absterben soll", so Reichstein.