Verdanken wir den Meteoriten unsere Existenz?

Die Erde ist durch den Einschlag von Meteoriten erst bewohnbar geworden. Dies behaupten zumindest die Forscher des Imperial College in London. Vor vier Milliarden Jahren soll es auf die Erde Meteoriten nur so gehagelt haben - mit für uns positiven Auswirkungen auf die Atmosphäre.

London - Vor vier Milliarden Jahren sollen Millionen von Meteoriten auf die Erde gehagelt sein. Gemäß einer neuen Studie haben die Himmelskörper hierbei die Atmosphäre in einer Art modifiziert, die förderlich für die Entstehung von Leben war. Dies veröffentlichten Forscher des Imperial College, London, in der Zeitschrift Geochimica et Cosmochima Acta am 1. Juni 2009.

Wenn ein Meteoroid aus dem Weltraum in die Atmosphäre eines Planeten eintritt, wird durch die extreme Hitze Wasserdampf und Kohlendioxid freigesetzt. Diese Abgabe von Wasser soll die Atmosphären von Erde und Mars mit höherer Feuchtigkeit angereichert haben. Die Freisetzung des Treibhausgases Kohlendioxid wiederum hätte zur Erwärmung auf Erde und Mars beigetragen und somit zum Erhalt der flüssigen Ozeane geführt.

Die Forscher aus London haben für ihre Studie die Überreste von 15 Meteoriten analysiert, die auf die Erde aufgeschlagen waren. Dabei erhitzten sie die Meteoritenreste auf Temperaturen ähnlich denen, die diese beim Eintritt in die Erdatmosphäre erfahren hatten, um festzustellen, wie viel Wasser und Kohlendioxid diese dabei freisetzen würden. Hierbei benutzen die Forscher eine neue Technologie namens pyrolysis-FTIR, die die gefunden Überreste mittels Elektrizität um 20.000 Grad Celsius pro Sekunde erhitzte, um dann die Quantität der freigesetzten Gase zu messen. Die Messungen ergaben, dass im Durchschnitt jeder Meteoroid etwa zwölf Prozent seiner Masse als Wasser und sechs Prozent als Kohlendioxid verliert, wenn er in die Atmosphäre eintritt.

So wie ein einzelner Meteoroid-Einschlag kaum einen Effekt auf die Erdatmosphäre hat, so sollen die Milliarden Meteoriten, genannt Late Heavy Bombardment (LHB), die vor vier Milliarden Jahren in einer Zeitspanne von etwa 20 Millionen Jahren auf die Erde getroffen sind, erheblich zu einem klimatischen Wandel beigetragen haben. Hierbei sollen zehn Milliarden Tonnen Kohlendioxid und die gleiche Menge an Wasser in die Atmosphären von Erde und Mond gelangt sein. Dies soll zu wärmeren klimatischen Bedingungen mit höherer Feuchtigkeit auf den beiden Planeten geführt haben, welche günstig für die Entwicklung von Leben sind.

Mark Shepton, Professor an dem Imperial College in London und einer der Autoren der Studie, glaubt, hiermit die Lösung einer Frage gefunden zu haben, die Forscher schon seit langem beschäftigt: Warum ist die Erde im Vergleich zu anderen Planeten unseres Sonnensystems so reich an Wasser, dass sich hier Leben entwickeln könnte? Die Antwort von Shepton hierauf ist: Wegen des LHBs - des vor vier Milliarden Jahren auf die Erde niedergegangenen Meteoriten-Regens.