The Next Big One: Neue Anzeichen für drohendes Starkbeben in Kalifornien

Schwärme von kleinen Erschütterungen entlang des St. Andreas Grabens nehmen zu

Bebenregion Kalifornien
Bebenregion Kalifornien

Berkeley (USA) - Das nächste schwere Erdbeben in Kalifornien kommt bestimmt. Nur wann die Katastrophe über Los Angeles oder San Francisco mit geschätzten 15.000 Opfern hereinbricht, kann heute kein Bebenforscher sagen. Doch derzeit immer häufiger auftretende Schwärme kleiner Erschütterungen entlang des St. Andreas Grabens werten amerikanische Geowissenschaftler nun als Anzeichen für ein wachsendes Risiko. In der Zeitschrift "Science" berichten sie, dass die Spannungen zwischen den Gesteinen im kalifornischen Untergrund offensichtlich zunehmen.

"Die Wahrscheinlichkeit für ein baldiges Erdbeben steigt eher an", sagt Seismologe Robert M. Nadeau von der University of California in Berkeley. Ein engmaschiges Netzwerk aus Sensoren registrierte in den vergangenen acht Jahren etwa 2200 kleine Erschütterungen rund um die geologische Bruchzone des St. Andreas Grabens. Diese Häufigkeit überraschte die Forscher, da sie deutlich über der bisher erwarteten Anzahl liegt. Und häufigere Minibeben weisen relativ sicher darauf hin, dass die Spannungen in der Verwerfungszone zunehmen. Wenn diese einen bestimmten Wert überschreiten, können sie sich in einem Starkbeben mit einer Magnitude von über 6.0 entladen.

Ein solches Beben erschütterte zuletzt 2004 die Region um Parkfield, gut 250 Kilometer nordwestlich von Los Angeles. Kurz davor im Jahr 2003 wurde bereits San Simeon von einem Beben der Stärke 6,5 heimgesucht. Jeweils Wochen vor und nach dieses Ereignissen registrierten die Messegeräte deutlich mehr kleine Erschütterungen in 15 bis 30 Kilometer Tiefe. Diese Aktivität der Minibeben ist heute etwa doppelt so hoch wie vor dem San Simeon-Ereignis.

Die Ursache der häufigen Beben liegt tief im Untergrund. Entlang der kalifornischen Bruchzone schieben sich die Pazifische und die Nordamerikanische Erdplatte aneinander vorbei. Rein theoretisch werden das auf der Pazifikplatte gelegene Los Angeles und das weiter nördlich liegende San Francisco auf der Nordamerikanischen Platte in etwa 18 Millionen Jahren miteinander verschmelzen. Doch selbst wenn wahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen kleinen Schwarmbeben und einem darauf folgenden Starkbeben besteht, reicht dieses Wissen nicht für eine zuverlässige Bebenvorhersage aus. So kann niemand heute sagen, wann Kalifornien mit tatsächlich mit einer Katastrophe rechnen muss und ob diese auch eng besiedelte Regionen in Mitleidenschaft zieht.