Ozonloch beschleunigt Klimawandel

Durch stärkere Winde können die Ozeane weniger Kohlendioxid speichern und versauern

Paris (Frankreich) - Das Ozonloch über dem Südpol hat gigantische Ausmaße. Dadurch gelangt nicht nur mehr gefährliche Sonnenstrahlung bis zur Erdoberfläche, auch die Erderwärmung kann durch den Ozonmangel in der Stratosphäre beschleunigt werden. Diesen Zusammenhang stellten nun französische Klimaforscher nach der Analyse von Klima-, Ozean- und Ozondaten der vergangenen zwei Jahrzehnte auf. Ihre Ergebnisse präsentieren sie in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters".

"Studien, die den Abbau des Ozons in der Stratosphäre vernachlässigen, überschätzen die globale Speicherung von Kohlendioxid in den Ozeanen", schreiben Julien Le Sommer und seine Kollegen von mehreren Instituten des Nationalen Forschungszentrums in Paris (CNRS). War das Zusammenspiel zwischen Erderwärmung und Ozonloch bisher rätselhaft, mehren sich die Anzeichen, dass sich beide Phänomene über komplexe Mechanismen stark gegenseitig beeinflussen und in den vergangenen 22 Jahren die Speicherkapazität für das Treibhausgas Kohlendioxid in den Ozeanen um etwa zehn Prozent verringerten.

So ändern sich durch das Ozonloch die Temperaturverteilungen in der südlichen Atmosphäre. Die Folge sind stärkere Winde, die eine Durchmischung von tiefen und flachen Wasserschichten im Ozean verstärken. Dadurch gelangt mehr CO2-reiches Tiefenwasser in die Wasserschichten nahe der Oberfläche. Die Konzentration an CO2 steigt an und das Wasser kann folglich weniger Treibhausgase als bisher angenommen aufnehmen. Mehr CO2 führt auch zu einer Übersäuerung der Meere mit möglichen Auswirkungen auf den Lebensraum Ozean.

Zwischen 1987 und 2004 konnten die Ozeane nach Abschätzungen der Forscher etwa 2,3 Milliarden Tonnen Kohlendioxid weniger aufnehmen als es in bisherigen Klimamodellen angenommen wurde. Da das Ozonloch in den kommenden Jahrzehnten nur sehr langsam wieder schrumpfen wird, müsse dessen Auswirkung auf die Ozeane als CO2-Speicher in aktuellen Klimaprognosen des Weltklimarats (IPCC) mit berücksichtigt werden.