Nereus taucht zum tiefsten Punkt der Erde

Unbemannter Tiefsee-Roboter soll Geologie und Biosphäre in fast elf Kilometer Wassertiefe erkunden

Tiefsee-Tauchboot Nereus
Tiefsee-Tauchboot Nereus

Woods Hole (USA) - Die Geheimnisse der Tiefsee können nun mit einem neuen, vielseitigen Tauchboot gelüftet werden. Diese Woche erreichte "Nereus" seine bisher größte Tiefe von 10.902 Metern im Marianengraben im Westpazifik. Über ein Glasfaserkabel zum amerikanischen Forschungsschiff Kilo Moana gelangten erste Bilder vom tiefsten Seegraben der Erde an die Oberfläche.

"Mit Nereus können wir nun alle Gebiete in den Ozeanen erkunden", sagt Andy Bowen, Nereus-Projektleiter von der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI). Das knapp drei Tonnen schwere und 4.25 Meter lange U-Boot kann bei seinen Tauchfahrten bis zu 1100 mal höhere Drücke als an der Erdoberfläche aushalten. Angetrieben über Elektromotoren, die von 4000 Lithium-Ionen-Akkus gespeist werden, kann das unbemannte Nereus durch die Tiefsee ferngesteuert werden, Videoaufnahmen liefern und mit einem Greifarm Bodenproben oder unbekannte Tier- und Pflanzenarten sammeln.

Die letzte Mission in die Tiefe des Marianengraben liegt mittlerweile über zehn Jahre zurück. 1998 erreichte das 2003 verloren gegangene, japanische Tauchboot Kaiko den Meeresboden und fand neben Einzellern sogar höhere Lebewesen wie eine Seegurke, eine Garnele und einen Ringelwurm. Der erste Ausflug in diese unwirtliche Region war bereits im Januar 1960 den beiden Ozeanographen Jacques Piccard und Don Walsh gelungen. An Bord des Tiefsee-Boots Trieste hatten sie 20 Minuten auf dem Meeresgrund verweilt. Im Unterschied zu diesen Missionen kann Nereus allerdings auch ohne Kabelverbindung auf Erkundungsfahrt gehen. Im autonomen Modus kann es weitere Meereszonen erkunden und sogar selbstständig wieder zum Mutterschiff zurückfinden können.

Mit elf Kilometern Tauchtiefe stellt Nereus das derzeit beste deutsche Tiefsee-U-Boot in den Schatten. Der Unterseeroboter "ROV Kiel 6000" des Leibniz Instituts für Meereswissenschaften Geomar ist lediglich für Tiefen von etwa 6000 Metern ausgelegt. Aber für die Wissenschaft ist das kein großer Nachteil. Denn mit dieser Tauchtiefe erreicht der Kieler Roboter immerhin 95 Prozent der Tiefsee.