Klimaforscher wollen IPCC-Klimabericht mit neuen Daten und Modellen aktualisieren

Spitzen der internationalen Klimaforschung treffen sich in Kopenhagen, um aktuelle Erkenntnisse zu sammeln. Politiker und Öffentlichkeit sollen besser auf verlässliche Informationen zugreifen können

Kopenhagen (Dänemark) - Steigt der Meeresspiegel wegen des Klimawandels um zwei oder acht Meter? Wieviel Kohlendioxid können Regenwälder und Ozeane wirklich speichern? Verwirrend und teils widersprüchlich sind Prognosen und Daten, die in immer kürzeren Abständen veröffentlicht werden. Um mehr Klarheit und verlässlichere Informationen für die Regierungen weltweit zu schaffen, treffen sich diese Woche die Spitzen der internationalen Klimaforschung in Kopenhagen. Über 2000 Teilnehmer werden sich auf der Tagung "Climate Change" gegenseitig auf den neuesten Forschungsstand bringen.

"Der vierte und derzeit aktuellste Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) beruht auf Daten, die mindestens fünf Jahre alt sind", betont Katherine Richardson, Hauptorganisatorin der Climate Change-Tagung und führende Klimaforscherin an der Universität Kopenhagen, das zentrale Problem der Klimadebatte. Seit der IPCC-Bericht 2007 veröffentlicht wurde, seien die Klimaforscher weltweit sehr fleißig gewesen und könnten viele damals noch offene Fragen nun besser beantworten. Als Beispiel nennt Richardson zahlreiche neue Erkenntnisse über die Rolle der Ozeane beim Klimawandel. "Hier in Kopenhagen wird das neue Wissen gesammelt und zusammengefasst", sagt Richardson.

"Je besser wir Politiker und die Öffentlichkeit informieren, desto bessere Entscheidungen können getroffen werden", ist Ian Chubb, Vorsitzender der Internationalen Allianz der in der Klimaforschung aktiven Universitäten (IARU), überzeugt. Genau dieser Aufgabe widmet sich der Kopenhagener Kongress. Alle präsentierten Ergebnisse werden daher auch für Laien verständlich zusammengefasst und in einem 30-seitigen Communiqué im Juni 2009 dieses Jahres Entscheidern und Betroffenen - von Regierungen, über Wirtschaftsvertreter bis zur breiten Öffentlichkeit - zugänglich gemacht. "Das aktuellste Wissen zum Klimawandel sei unverzichtbar, um sich langfristig auswirkende Entscheidungen treffen zu können", sagt Chubb.

"Politiker sind nicht sehr gut im Verstehen von wissenschaftlichen Zusammenhängen und Herausforderungen", sagt John Ashton, britischer Regierungsbeauftragter in Sachen Klimawandel, durchaus selbstkritisch. Daher begrüßt er die Zielsetzung der Kopenhagener Tagung besonders. Zwar werde die politische Diskussion derzeit von der Wirtschaftskrise und dem Erhalt von Arbeitsplätzen dominiert, aber der Klimawandel sei und bleibe die wichtigste Herausforderung.