Internationales Polarjahr beendet

Direktorin des deutschen Polarforschungsinstituts fordert stärkere nationale Strategie in der Polarforschung und europäische Koordination der Arktisforschung.

Logo des Polarjahres
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Bremerhaven - Mit einem kleinen Festakt in Bremerhaven, Sitz des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung, wurden vor rund einhundert Polarforschern und Gästen aus der Politik am vergangenen Freitag (27.2.200) die deutschen Aktivitäten im internationale Polarjahr beendet.

Seit dem ersten März 2007 arbeiteten rund 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in knapp 70 Einzelprojekten in Arktis und Antarktis. Damit waren deutsche Forscher an fast der Hälfte der 160 internationalen Projekte beteiligt. Das internationale Polarjahr war die vierte konzertierte Aktion dieser Art in der Erderforschung. Nach dem 1. internationalen Polarjahr 1882/83 und dem 2. in den Jahren 1932/33 folgte nach dem 2. Weltkrieg in den Jahren 1957/58 das internationale geophysikalische Jahr, dessen Daten nach Angaben der Wissenschaftler noch heute als Basis für Vergleiche mit aktuellen Messungen herangezogen wird. Das geophysikalische Jahr war Anstoß für den Antarktisvertrag, der 1961 in Kraft trat und die friedliche, internationale Erforschung der Antarktis bis ins Jahr 2041 festschreibt.

Die Bilanz der Forscher im aktuellen Polarjahr ist reich, aber auch erschreckend. So nahm die Temperatur der Arktis deutlich stärker zu als selbst die stärksten Prognosen des 2007 veröffentlichen IPCC-Report des Weltklimarates vorhersagten. Die Wissenschaftler beobachteten, so Peter Lemke, einer der IPCC-Autoren, dass der Kohlendioxidausstoß der Menschheit noch über den pessimistischsten der zahlreichen Vorhersagemodelle des IPCC-Berichts liegt. Im Gespräch mit Welt der Physik strich Lemke heraus, dass möglicherweise eine Reihe von irreversiblen Klimaveränderung schon angestoßen wurden. Klimaerwärmung führt zum Anstieg des Meeresspiegels. "Kleine Änderungen des Meeresspiegels haben riesige Konsequenzen für die Menschheit", so Lemke. "Ich glaube, es wird ordentlich schlimm werden - für uns vielleicht nicht so sehr wie für Bagladesch."

Hören Sie das komplette Interview mit Lemke im nächsten Podcast von Welt der Physik.

Karin Lochte, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, forderte eine nationale Strategie der Polarforschung. Die vielen Institute, die in Deutschland die Erforschung der Polargebiete betreiben, seien nicht ausreichen vernetzt, viele Ressourcen würden nicht optimal genutzt. Europaweit, so Lochte, wurde die geographisch nahe und wichtige Arktis lange Zeit nicht mit dem notwendigen Stellenwert betrachtet. Dies ändere sich auch wegen der Aktivitäten und der Sichtbarkeit im Polarjahr. Lochte forderte, dass die Europäer ihre Aktivitäten besonders in der Arktis enger koordinieren und die Forschungsgeräte effizienter nutzen sollen: "Polarforschung ist sehr teuer. Wir brauchen ein Konzept, wie man die Infrastruktur besser gemeinsam nutzen kann."