Forschungsflugzeug Polar 5 beendet Arktis-Expedition

Einzigartige Messflüge in der zentralen Arktis abgeschlossen

Gruppenbild mit Polar 5 in Longyearbyen
Gruppenbild mit Polar 5 in Longyearbyen

Bremerhaven - Gestern ging in Oshawa (Kanada) die Arktis-Kampagne PAM-ARCMIP – Pan-Arctic Measurements and Arctic Climate Model Intercomparison Project – mit dem deutschen Polarflugzeug Polar 5 zu Ende.

Die vierwöchige Kampagne brachte aufgrund der großen Reichweite des Flugzeuges und der eingesetzten modernen Messtechnik einzigartige Messdaten über Meereisdicke, Spurengase, Aerosole und meteorologische Parameter. "Wir waren in größtenteils unerforschten Gebieten unterwegs. Unsere nördlichste Position lag bei 88° 40' Nord. Solche Flugoperationen in der Arktis erfordern großes Können und viel Erfahrung", berichtet Andreas Herber, Physiker und verantwortlich für die Forschungsflugzeuge am Alfred-Wegener-Institut.

Der Flug der Polar 5 des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft führte von Longyearbyen auf Spitzbergen über Grönland und Nordkanada bis nach Barrow in Alaska.

Ein Schwerpunkt der Kampagne waren arktische Aerosole. Mit mehreren Vertikal- und Horizontalprofilen in Tiefflughöhe (60 Meter) und in Normalflughöhe von 3000 Meter wurde ein Abbild der Aerosolverteilung in der Arktis erstellt. Aerosole gehören mit Wassertröpfchen und Eiskristallen zu den klimarelevanten Spurenstoffen und zählen zu den größten Unsicherheitsfaktoren bei der Abschätzung zukünftiger Klimaveränderungen. Die Messungen über dem Arktischen Ozean erlauben die Quantifizierung der Aerosolbelastung der arktischen Reinluft und ihre Zuordnung zu asiatischen, nordamerikanischen und europäischen Quellregionen. Sie liefern eine realistische Grundlage für die dringend erforderliche Verbesserung der Modellrechungen für diese unzugängliche und für die Klimaforschung zentrale Region unserer Erde.

Ein weiterer Schwerpunkt der Kampagne waren großflächige Eisdickenmessungen in der inneren Arktis, die in enger Zusammenarbeit zwischen dem Alfred-Wegener-Institut und der Universität von Alberta durchgeführt wurden. Erstmalig kam dabei eine Eisdickensonde, der so genannte EM-Bird, unter einem Flugzeug zum Einsatz. Für die Untersuchungen zog Polar 5 die Sonde an einem 80 Meter langen Stahlseil in zwanzig Meter Höhe über die Eisoberfläche. Dies Messungen ergaben, dass das Eis insgesamt etwas dicker war als in den vergangenen Jahren in den gleichen Regionen, was eine temporäre Erholung der arktischen Eisdecke vermuten lässt.