Warnung vor Geo-Engineering

Kühlende Sulfalte in der Atmosphäre schädigen die Ozonschicht - eine künstliche Verringerung der globalen Erdwärmung mi diesen Stoffen birgt deshalb große Risiken.

Jülich/Boulder (USA) - Vor zwei Jahren schlug der Nobelpreisträger Paul Crutzen vor, die globale Erderwärmung mit einer ungewöhnlichen Maßnahme abzubremsen: Flugzeuge könnten gut fünf Millionen Tonnen Sulfate in die obere Atmosphäre bringen, um wärmende Sonnenstrahlung zu blockieren. Doch ein deutsch-amerikanisches Forscherteam warnt nun mit einer in der Zeitschrift "Science" veröffentlichten Studie vor diesem Schritt des Geo-Engineerings. Denn die Sulfate würden zu einem gravierenden Abbau der Ozonschicht über dem Nordpol führen und so wohl mehr schaden als nutzen.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass dieser Versuch einer künstlichen Verringerung der globalen Erdwärmung große Risiken mit sich bringen könnte", sagt Simone Tilmes, Hauptautorin der Studie und Klimaforscherin am National Center for Atmospheric Research in Boulder (NCAR). Zusammen mit ihren Kollegen Rolf Müller vom Forschungszentrum Jülich und Ross Salawitch von der University of Maryland berechnete sie, dass zwischen 25 und 75 Prozent der dünnen Ozonschicht über der Arktis zerstört werden könnten. Über der Antarktis fiele der Abbau wegen der bereits erfolgten Schädigung zwar geringer aus, doch verzögerte sich die derzeit einsetzende Regenerierung der Ozonschicht um weitere 30 bis 70 Jahre.

Verantwortlich für den Ozonabbau ist ein hoch reaktives Gemisch aus Sulfaten und Fluorchlorkohlenwasserstoffen. Je nach Größe der Partikel in den Sulfat-Aerosolen bieten diese ausreichend Oberflächen, um die UV-Strahlung absorbierenden Moleküle aus drei Sauerstoffatomen zu zerstören. Die Basis für die aktuellen Abschätzungen lieferte ein natürliches Ereignis. Denn im Juni 1991 brach auf der indonesischen Insel Luzon der Vulkan Pinatubo aus und blies etwa zehn Millionen Tonnen Sulfate in die Atmosphäre. Global sanken darauf die mittleren Temperaturen und die Ozonschicht vor allem über der Antarktis wurde massiv geschädigt. "Ohne die Daten des Pinatubo-Ausbruchs wären unsere Abschätzungen nicht möglich gewesen", sagt der Jülicher Atmosphärenforscher Rolf Müller.

Käme es nach einer künstlichen Verteilung von Sulfaten zusätzlich zu einem Vulkanausbruch größeren Ausmaßes, wären die Folgen noch gravierender. "Dann wäre mit einem noch stärkeren, sehr ernsthaften Ozonabbau in der Stratosphäre zu rechnen", sagt Müller. So sieht der Forscher im Geo-Engineering als Maßnahme gegen die globale Erwärmung heute noch keine sinnvolle Handlungsoption. "Wir stehen noch am Anfang davon, alle Auswirkungen auf das Klima zu verstehen", umreißt Müller den Stand der Forschung. Doch ganz ausschließen will er eine Abkühlung der Erdatmosphäre mit Sulfat-Partikeln nicht. "Die Auswirkungen auf die Ozonschicht wären in der 2. Hälfte dieses Jahrhunderts deutlich geringer." Dann wäre die Konzentration an Fluorchlorkohlenwasserstoffen deutlich niedriger und die Sulfat-Aerosole würden weniger zu einem verstärkten Ozonabbau führen.