Verursacht der Klimawandel mehr und stärkere Wirbelstürme?

Ob die vom Menschen verursachte Erderwärmung für häufigere und stärkere Wirbelstürme verantwortlich ist, bleibt unter Klimaforschern umstritten. Britische Forscher liefern nun ein weiteres Argument für eine sachliche Diskussion.

Hurrikane im Satellitenbild
Hurrikane im Satellitenbild

London (Großbritannien)/Uppsala (Schweden) - In der Zeitschrift "Nature" berichten sie, dass ein Anstieg der Oberflächentemperatur der Ozeane zu einer Verstärkung der Hurrikan-Aktivitäten führt.

Mark Saunders und Adam Lea vom University College London untersuchten die Hurrikane, die zwischen 1950 und 2005 über dem Golf von Mexico wüteten. Ihr Ergebnis: Ein Anstieg der Temperatur an der Oberfläche des Atlantiks von nur einem halben Grad verstärkt die Hurrikan-Aktivität um 40 Prozent. Dadurch erkläre sich die Vielzahl heftiger Wirbelstürme in den 1990er Jahren, da in diesem Zeitraum die Meerestemperatur nach einer Kältephase wieder anstieg. In den 1970er und 1980er Jahren dagegen gab es relativ wenige Hurrikane, aber auch die Wassertemperaturen lagen in diesem Zeitraum etwa ein Grad niedriger.

Da die Bildung von Wirbelstürmen auf einem komplexen Zusammenspiel von Wassertemperatur und vorherrschenden Winden beruht, ist es ausgesprochen schwierig, die Bedeutung einzelner Ursachen zu beziffern. Aber genau dies gelang Saunders und Lea, indem sie mit aufwändigen Berechnungen den Einfluss der Scherwinde über dem Atlantik abziehen konnten. Übrig blieb der Anteil, für den die Wassertemperatur verantwortlich ist. "Bemerkenswert an diese Studie ist, dass sie zeigt, wie stark der Effekt trotz einer mäßigen Erwärmung um nur ein halbes Grad ist", sagt Stefan Rahmstorf, Klimaforscher von Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) gegenüber dem Online-Portal Physicsworld.

Ob die erhöhte Wassertemperatur allerdings eine Folge des Klimawandels ist, können die Forscher nicht mit Sicherheit sagen. Auch natürlich, zyklische Schwankungen sind als Ursache für eine Erwärmung möglich. Dennoch ist das neue Ergebnis wichtig für die Verbesserung der Klimamodelle. Sie bilden eine Grundlage, um die Wirbelsturm-Aktivitäten bei noch stärkerem Temperaturanstieg von bis zu drei Grad abschätzen zu können.