Magmablase unter dem Vesuv in Bewegung

Etwa elf Kilometer hob sich die mit flüssigem Gestein gefüllte Kammer in den letzten 20.000 Jahren – Beobachtung soll Vorhersagen für einen drohenden Ausbruch verbessern

Ausbruch des Vesuv im Jahre 1774
Ausbruch des Vesuv im Jahre 1774

Orléans (Frankreich)/Cagliari (Italien) - 1944 brach der 1281 Meter hohe Vesuv in der Nähe von Neapel das letzte Mal aus. Der einzige aktive Vulkan auf dem europäischen Festland forderte damals trotz rechtzeitiger Evakuierung 26 Menschenleben. Wann es wieder zu einem Ausbruch kommen wird, könnte mit einer neuen Untersuchung der Magmakammer unter dem Vulkan besser vorhersagbar sein. Französische und italienische Geologen berichten in der Zeitschrift "Nature", dass sich die Gesteinsblase in den letzten 20.000 Jahren um etwa elf Kilometer gen Oberfläche bewegte.

"Eine Vorhersage von zukünftigen Eruptionen des Vesuvs ist von großer Bedeutung, da etwa 700.000 Menschen in der Nähe des Vulkans betroffen wären", schreiben Bruno Scaillet vom Institut für Geowissenschaften im französischen Orléans und seine Kollegen vom Fachbereich Geowissenschaften im italienischen Cagliari. Über die Analyse der ausgeworfenen Lavamassen der zahlreichen Ausbrüche seit 1850 vor Christus über das Jahr 79, als Pompeji verschüttet wurde, und bis 1944 konnten sie auf die Tiefe der Magmablase zurückschließen. So hob sich die Blase allein zwischen den Jahren 79 und 472 um etwa vier Kilometer und befindet sich heute etwa acht Kilometer unter dem aktiven Vulkan.

Auf der Grundlage dieser neuen Untersuchungen hoffen die Vulkanologen, den Vesuv noch besser verstehen zu können. Für die Vorhersage von zukünftigen Ausbrüchen ist die Position der Magmakammer von großer Bedeutung. Wann genau nun der Druck in der Gesteinsblase so groß sein wird, dass es zur Eruption kommt, können die Forscher bisher noch nicht genau sagen. Doch immer wieder auftretende kleine Erdbeben belegen, dass die heutige Ruhe trügerisch sein kann.

Einen kleinen Vorteil hat die Aufwärtsbewegung der Magmablase allerdings. Je höher die Kammer gen Oberfläche strebt, desto weniger Gase und flüchtige Substanzen sind in ihr enthalten. Ein Ausbruch wäre dadurch weniger gewaltig. Doch die Vulkanologen können auch nicht ausschließen, dass die Lavakanäle verstopft sein und es zu einem explosionsartigen Ausbruch wie anno domini 79 kommen könnte. Der Großraum Neapel wäre damit vergleichbar bedroht wie damals Pompeji und die benachbarten Orte Herculaneum und Oplontis.