Klimagas Methan: Wo liegen die gefährlichsten Quellen?

Deutsche Klimaforscher analysieren Kohlenstoffisotope in Eisbohrkernen

Bremerhaven/Wien (Österreich) - Methan, ein leichtes, brennbares Gas, ist ein 23-fach wirksameres Klimagas als Kohlendioxid. Allerdings ist die Konzentration in der Atmosphäre deutlich geringer. Forscher vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven machten sich nun auf die Suche nach den wichtigsten Quellen für dieses Treibhausgas im Laufe der jüngeren Erdgeschichte. Zusammen mit Kollegen aus Dänemark, Frankreich und der Schweiz berichten sie in der Zeitschrift "Nature", dass zum Ende der Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren vor allem tropische Feuchtgebiete signifikante Methanmengen in die Atmosphäre freisetzten, Feuchtgebiete in höheren Breiten dagegen nicht.

"Diese Studien bringen uns viel näher an ein quantitatives Verständnis darüber, was in der Vergangenheit mit den Feuchtgebieten und Methan passierte", sagt Erstautor Hubertus Fischer vom Alfred-Wegener-Institut. Auf der Basis von Kohlenstoff-Isotopen-Analysen von Eisbohrkernen, die die Forscher in der Antarktis im Rahmen des europäischen EPICA-Programms gewonnen hatten, fanden sie eine Verdopplung der Methankonzentration in der Atmosphäre von etwa 350 auf 700 Volumenanteile pro Milliarde (ppbv). Für diesen Anstieg machen sie vor allem die Niederschlagsveränderungen in tropischen Feuchtgebieten beim Übergang der Eiszeit zur darauf folgenden warmen Periode verantwortlich. Der Methanbeitrag aus Waldbränden dagegen blieb überraschend konstant.

Heute liegt die Methankonzentration in der Atmosphäre mit etwa 1750 Volumenanteilen pro Milliarde weitaus höher, was auf die zunehmende Viehzucht, die Verbrennung von Biomasse und damit auf den Menschen zurückführbar ist. Eine große Unbekannte für die zukünftige Entwicklung dieses effizienten Klimagases ist das Verhalten der enormen Methanlagerstätten an den Kontinentalrändern in den Weltmeeren in Form des brennbaren Methanhydrats. Würden diese plötzlich auftauen, müsste mit einer noch stärkeren Klimaerwärmung gerechnet werden.

Die aktuelle Studie zeigt jedoch, dass selbst bei der globalen Erwärmung zum Ende der Eiszeit die Methanhydrate nicht nennenswert destabilisiert wurden. "Lokal konnte es schon destabilisieren, doch hat das Methan nicht seinen Weg bis in die Atmosphäre geschafft", sagte Fischer heute am Rande der Europäischen Tagung der Geowissenschaftler (EGU) in Wien. Das schürt die Hoffnung, dass trotz einer globalen Erwärmung nicht viel mehr Methan aus diesem gigantischen Reservoir in die Atmosphäre gelangen wird.