Grüne Sahara durch Klimawandel

Norddeutsche Forscher blicken in die Klimageschichte der größten Wüste der Erde - schon wenig Feuchtigkeit kann Pflanzenwachstum drastisch steigern

Bohrkerne als Klimaarchiv
Bohrkerne als Klimaarchiv

Bremen/Kiel - Die Folgen des Klimawandels müssen nicht immer von Nachteil sein. So halten es Klimaforscher aus Kiel, Hamburg und Bremen für möglich, dass die Sahara bei einer kräftigen Erwärmung der Erde schrumpfen könnte, weil Pflanzen von den Rändern vorrücken. Dieses Szenario basiert auf Klimamodellen und Einblicken in die Klimageschichte der Wüste bis vor 85.000 bis 120.000 Jahren. Wann genau sich die größte Sandwüste der Welt schon früher in ein ausgedehntes Grasland verwandelt hatte, erklären die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Nature Geoscience".

"Wir konnten feststellen, dass es in dieser Zeit mehrmals Feuchtperioden gab, in denen sich die Wüste zurückzog", sagt Rik Tjallingii vom Institut für Geowissenschaften der Universität Kiel. In seiner Doktorarbeit, die er am Bremer Forschungszentrum Marum erstellte, untersuchte er Staubpartikel in einem Bohrkern vom Meeresboden vor Nordwest-Afrika. Aus dem Verhältnis der Anzahl der Partikel, die vom Wind transportiert wurden, und der Partikel, die Flüsse ins Meer schwemmten, konnten die Wissenschaftler sowohl auf die Vegetation als auch auf den Niederschlag zurückschließen, der im Zeitraum bis vor 120.000 Jahren über Nordwest-Afrika niederging. Keine Studie zuvor konnte so weit in die Klimageschichte der Sahara-Region zurückschauen.

Immer wieder fand Tjallingii Hinweise auf Feuchtperioden, die mit Zeiten zusammenfielen, in denen die Sonneneinstrahlung in der Nähe des Äquators besonders stark war. Verantwortlich dafür sind die Kreiselbewegungen der Erde, die sich in regelmäßigen Intervallen von etwa 23.000 Jahren abspielen. In den Zeiten intensiverer Sonnenstrahlung verdampfte mehr Wasser aus den Meeren, wodurch wiederum der afrikanische Monsunregen stärker wurde. "In der Sahara reicht schon eine geringe Zunahme der Niederschlagsmenge, um das Pflanzenwachstum drastisch zu steigern", sagt Tjallingii. Nur während der letzten Eiszeit, die vor 75.000 Jahren einsetzte und rund 60.000 Jahren andauerte, fielen die Feuchtperioden aus, weil das Klima weltweit deutlich kälter und trockener war.

Mit den neuen Bohrkerndaten konnten die Forscher Computersimulationen untermauern, die das Team um Martin Claussen vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg erstellt haben. "Die gemessenen Daten stimmen sehr gut mit der Simulation überein", sagt Tjallingii. Das mit den Daten der Vergangenheit überprüfte Modell erlaubt auch einen Blick in unsere Klimazukunft. Demnach sollte die Sahara schrumpfen, falls der von den Menschen angestoßene Klimawandel zu einer kräftigen Erwärmung der Erde führt. Vollkommen sicher ist das aber noch nicht. "Noch haben wir nicht sämtliche Prozesse, die für die Dynamik des Sahels und der Sahara wichtig sind, im Klimamodell dargestellt", sagt Claussen.