Golfstrom beeinflusst Klima rund um den Erdball

Ohne das warme Wasser des Golfstroms wäre es in Europa empfindlich kälter und lebensfeindlicher. Nun belegen japanische Klimaforscher die Auswirkungen, die ein Versiegen dieses gigantischen Transportsystems auf die gesamte Erde hätte.

Simulation des Golfstroms
Simulation des Golfstroms

Sapporo (Japan) - In der Zeitschrift "Nature" präsentieren sie eine der ersten Studien überhaupt, die die enge Wechselwirkung von Meeresströmungen mit den Wetterprozessen in der Troposphäre bis in etwa 12 Kilometer Höhe belegen.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Golfstrom die gesamte Troposphäre beeinflusst", schreiben Shoshiro Minobe von der Hokkaido Universität in Sapporo und seine Kollegen vonm Earth Simulator Center in Yokohama. Mit Atmosphärenmessungen von Satelliten und aufwändigen Simulationsrechnungen auf dem Supercomputer "Earth Simulator" fanden sie eindeutige Zusammenhänge zwischen dem Golfstrom und der Wolkenbildung bis in die obere Troposphäre.

So verdunstet teilweise das im Golf von Mexico aufgewärmte Wasser auf seinem Weg nach Norden. Das führt in weiten Regionen südlich des Golfstroms zur Bildung von ausgedehnten Wolkenfeldern und erhöhten Niederschlägen. Wichtig bei diesen Prozess zeigte sich der Temperaturunterschied des Meerwassers. Denn der warme Golfstrom stößt wie ein Keil in die kalten Wassermassen des nördlichen Atlantiks vor.

Mit Simulationsrechnungen konnten die japanischen Klimatologen nicht nur die aktuellen Prozesse schlüssig nachstellen. Sie verringerten auch virtuell die Temperaturdifferenzen zwischen Golfstrom und Nordatlantik. Ein Effekt, der infolge des Klimawandels nicht völlig auszuschließen ist. Das Modell belegte, dass sowohl die Wolkenbildung als auch die Niederschläge entlang des Golftroms nachließen und verschwanden - mit Folgewirkungen auf das Klima auf der gesamten Erde.